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Kunstforum: Freiheit in der Kunst


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Forum > Aktuelles > Freiheit in der Kunst
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 Autor
 Thema: Freiheit in der Kunst
Andre-Weinrich
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seit dem 30.03.2008

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Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 05.09.2008 um 13:27 Uhr

Hallo Stefanie,

ich denke sehr wohl an eine Freiheit in der Kunst, wenn man bedenkt, dass eine Zensur der Kunst laut Grundgesetz schon untersagt ist.

Allerdings sollte die von Dir angesprochene Verherrlichung mit allen Konsequenzen vom Künstler selbst getragen werden, d.h. verbrennt der Künstler durch derartige Aktionen seinen Namen, muss er die Schuld bei sich selbst suchen und nicht bei einer Gesellschaft, die seine Kunst missbilligt.

Ich denke, dass dieses das größte Problem sein wird, die Akzeptanz der Gesellschaft, der Sammler und Liebhaber.

Und das eigene Maß an Pietät und die eigene Sicht auf die Dinge.
Ein Künstler, der mit seiner Kunst diskriminiert, Gewalt verherrlicht, herabsetzt, darf niemandem Vorwürfe machen, wenn es ihn selbst betrifft.

Ein Künstler, der bei dieser Fragestellung kein Maß kennt, und auch vor entsprechender Kunst nicht zurückschreckt, aber einen Hund hat und liebt, muss dann auch ertragen können, wenn ein italienische Künstler in einem Museum einen Hund anleint, das Futter außerhalb dessen Reichtweite plaziert und die Besucher einlädt, dem Hund beim Verhungern bis zum Tod zuzusehen.

Ein Künstler, der mit seinen Werken zu Gewalt aufruft, sollte die rechtlichen Konsequenzen tragen, wie jemand, der unter normalen Umständen zu Straftaten anstiftet.

Kunst und der Status Künstler darf kein Freibrief sein.

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Fluuu
Mitglied

725 Forenbeiträge
seit dem 18.10.2003

Das ist Fluuu

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1 Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 10.09.2008 um 13:14 Uhr

Diese Nachricht wurde von Fluuu um 13:27:21 am 10.09.2008 editiert

Diese Nachricht wurde von Fluuu um 13:24:45 am 10.09.2008 editiert

Doch, der Freiraum des Künstlers in der Gesellschaft muss unabhängig sein, auch von bürgerlichen Gesetzen sonst kann er die gesellschaftlichen Prozesse einer bürgerlichen Norm nicht Reflektieren. Jedoch betrifft das nur die Ausübung des künstlerischen Berufes, als Privatperson ist er ein Bürger und muss die volle Verantwortung übernehmen wie jeder andere auch.
Es ist möglich als Kunstwerk einen Hund verhungern zu lassen mit dem Napf außer Reichweite auf der Bühne der Kunst und die Bürger müssen Zuschauen wenn sie Können. Man kann es ignorieren, sich am qualvollen Tod ergötzen, sich dagegen Auflehnen und Aufbegehren oder ganz einfach dem Hund den Napf hinschieben damit er Fressen kann.
Mich erinnert das z.B. an Judenvernichtung, das war keine Kunst sondern Alltag und die Meisten konnten Zuschauen... Das war in Deutschland keine Straftat nach den bürgerlichen Gesetzen sondern befohlen.

Um auf solche krassen grausamen gesellschaftlichen Entwicklungen reagieren zu Können muss der Künstler unabhängig sein, auch von bürgerlicher Sitte und Moral.
Er ist nur seinem eigenen Gewissen als Mensch verpflichtet, wenn er keins spürt kann er nur ein schlechter Künstler sein und ist belanglos.

Dieses Schreien nach bürgerlichem Gesetz und Ordnung als Hüter für Sitte und Moral nutzt letztendlich gar nichts, das ist alles manipulierbar, ein wirklicher Wert sollte das eigene innere Gespür sein wie es z.B. ein guter Künstler einzusetzen versteht um auf die Belange des menschlichen Zusammenlebens aufmerksam zu machen.

gruß fluuu


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pic-nicker
Mitglied

1 Forenbeitrag
seit dem 12.09.2008

     
2 Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 12.09.2008 um 10:00 Uhr

Nein, also ich stimme dir zwar in den allgemeinen Dingen zur Kunstfreiheit zu, aber nicht in der Sache mit dem Hund. Tiere sind zwar im bgb nur Sachen, d.h. man kann nicht zum Mörder werden. Aber Tierquälerei (von Wirbeltieren) ist in Deutschland strafbar. Die Szene aus dem italienischen Museum wäre in Deutschland nicht vorstellbar, schon wegen der Demos von Tierschützern. Dadurch hätte der Künstler dann ein anderes Ziel erreicht: Bevor seine Aktion allzu viele Menschen persönlich schockieren kann, ist sie schon von Menschenmassen und Massenmedien besetzt und verarbeitet worden.
Ich finde das Beispiel mit dem Hund ja hoch interessant, hatte aber noch nie sowas gehört. Wo/wer war das denn? Fast zweifle ich ja daran, dass die Aktion bis zum Ende durchgezogen wurde.
Ich habe dann sofort daran gedacht: Wenn dieser Künstler die Aktion in Italien durchgeführt hat (weil sie nicht gegen Gesetze verstieß) und dann mit der Ausstellung nach Deutschland kommt, dann dreht er vielleicht einfach ein schockierendes Video, bei dem fiktiv das Gleiche passiert, aber eben nicht real. Der (vorab informierte) deutsche Besucher weiß aber, dass der Künstler die Sache in Italien durchgezogen hat.
Das Ganze bekommt sublim einen ganz anderen Dreh...

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Andre-Weinrich
Mitglied

30 Forenbeiträge
seit dem 30.03.2008

Das ist Andre-Weinrich

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3 Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 12.09.2008 um 10:10 Uhr

Hallo pic-nicker und alle anderen,

habe mich wegen der Kunstaktion mit dem verhungernden Hund ein wenig geirrt, war nicht in Italien (wobei ich dachte, ich hätte es so gelesen), sondern in Costa Rica...

Nachzulesen unter dem Link

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,512799,00.h tml

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Fluuu
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725 Forenbeiträge
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4 Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.09.2008 um 19:52 Uhr

...wie auch immer, für mich zählt der visionäre Gedanke des zwischenmenschlichen Zusammenlebens und da sind Gesetze, Regeln und Verordnungen von oben nach unten durchgesetzt nicht notwendig.
Jeder Mensch ist Künstler und seinem Gewissen verpflichtet und somit gibt es keine nennenswerten Handlungen gegen die Gemeinschaft. Jeder entscheidet für sich der Gemeinschaft zu Dienen und nicht dem eigenen Vorteil weil es letztlich mehr Überleben bedeutet. Dann braucht es keine Polizei und kein Gericht mehr als durchführende Organo des Gewaltmonopols vom Staat. Aber wie gesagt....reine Vision.

Bin im Tauschring der Region hier in Bayern, eine Form des Austausches ohne Euro und da ist die Gemeinschaft so organisiert, dass jeder Einzelne die Verantwortung für das Gelingen des Ganzen trägt. Es gibt keine ernannte Regierung und keine Hierarchie. Ist ein wunderbares und alternatives Modell von Gemeinschaft.
Hat etwas mit dem erweiterten Kunstbegriff und der sozialen Plastik von Beuys zu tun wenn man so will.

gruß fluuu


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Regina Herzog
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5 Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 17.09.2008 um 20:26 Uhr

"Kunst" an sich ist ein Begriff. Kunst kann aus sich heraus gar nichts, ist keine Person und kann demzufolge auch niemals zur Rechenschaft gezogen werden, wenn z.B. unter ihrem Deckmantel gewaltverherrlichende Werke präsentiert werden.

Es ist immer ein MENSCH, der die Kunst schafft und somit ist auch er immer persönlich zur Verantwortung zu ziehen.

Ich finde, kein Mensch hat das Recht, diskriminierend, gewalttätig, bösartig oder mordend durchs Leben zu gehen, dazu aufzurufen oder andere dazu zu animieren, egal mit welchen Mitteln. Es würde geradezu herausfordern, dass das Mittel der Kunst heftigst missbraucht würde, wäre es da erlaubt. Man könnte dann glatt behaupten, all die nett präsentierten Hakenkreuze seien Kunst gewesen?!?!?

Gewalt und Diskriminierung in jeder Form sind etwas Abscheuliches, und leider ist es nötig, diese Dinge durch Gesetze zu regeln.

Durch seine Kunst darf ein Künstler jedoch auf alle diese Dinge hinweisen und alle Missstände, die aufzudecken er für nötig erachtet breittreten und mit seinen handwerklichen Mitteln ausschlachten.

Aber eigentlich ist auch das kein ausschließliches Verdienst und Vorrecht der "Kunst", denn im Rahmen ihrer Möglichkeiten tun das ja viele andere, (nichtkünstlerische) Menschen auch. Und das ist gut so!

"Kunst" und Künstler sollten in meinen Augen nicht so mystifiziert werden. Es sind Menschen, die für sich eine bildende Form gefunden haben, ihr Leben zu verarbeiten. Viele dieser Ergebnisse sind wunderschön und eine absolute Bereicherung für den, der sie zu sehen bekommt. Trotz allem bleibt auch der Künstler "nur" ein Mensch. Mit all den Rechten aber auch Pflichten des Mensch-seins.

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Regina Herzog
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20 Forenbeiträge
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6 Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 17.09.2008 um 20:30 Uhr

Diese Nachricht wurde von Regina Herzog um 20:35:18 am 17.09.2008 editiert

Diese Nachricht wurde von Regina Herzog um 20:34:19 am 17.09.2008 editiert

"

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maler-hans
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291 Forenbeiträge
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Das ist maler-hans

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7 Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 18.09.2008 um 23:14 Uhr

Zitat:

Ich finde, kein Mensch hat das Recht, diskriminierend, gewalttätig, bösartig oder mordend durchs Leben zu gehen, dazu aufzurufen oder andere dazu zu animieren, egal mit welchen Mitteln.

Das und der Rest des Beitrags ist nur zu bestätigen. Freiheit, auch die des Künstlers, hört immer da auf, wo die Freiheit (und erst recht Unversehrtheit) des anderen anfängt.


Gruß von Maler Hans (www.atelier-lasslob.de)
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maler-hans
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8 Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 30.09.2008 um 16:31 Uhr

Zitat:

Diese Nachricht wurde von Stefanie Karg um 14:35:18 am 21.09.2008 editiert

Auch die letzten beiden Beiträge sprechen mir aus der Seele.
Bleibt nur noch die große Frage, ab wann ein Werk Schaden zufügt und wie man es beweisen soll - ganz besonders, wenn es sich um einen langsam bewußtseinsverändernden Prozess handelt, der zu einer anderen Sicht auf bestimmte Gruppen in unserer Gesellschaft führt bzw. zu weniger Empathiefähigkeit.

Natürlich kann man nie ganz sicher sein, was die eigenen Handlungen nach sich ziehen, das gilt nicht nur in der Kunst. Es kommt aber in jedweder Ethik zunächst darauf an, was man (nicht) will. Eine dauernde Angst, was man womöglich unwillentlich anrichten könnte, würde in der Tat lähmen. Auch für das Nachdenken über mögliche Folgen eigenen Handelns gilt das alte Wort vom "rechten Maß" (womit man übergehen könnte zum Goldenen Schnitt …).


Gruß von Maler Hans (www.atelier-lasslob.de)
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Fluuu
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Das ist Fluuu

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9 Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 03.10.2008 um 15:52 Uhr

...finde dieses ständige Appellieren an die Bravheit der Mitbürger so ignorierend und so langweilig, nur damit man sich selbst in der rosa Wolke der Sicherheit wiegen kann.
Das ist eine Illusion, es gibt Leben und Tod, dem kann sich niemand entziehen und wer den Tod im Alltag zu Leben versteht hat kaum etwas zu Befürchten. Das ist die Lösung für ein freiheitliches und unabhängiges Leben in Eigenverantwortung. Dazu muss man aber der Gewalt, der Grausamkeit, dem Hass, dem Hässlichen und dem Tod ins Gesicht gucken Können und dem Blick standhalten.
Ein Künstler sollte das Können und hat deshalb Freiheiten bei seiner Arbeit an verschiedenen Themen und der Veröffentlichung in der Gesellschaft.

gruß fluuu


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