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Kunstforum: Robert Polidori


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Forum > Fotografie > Robert Polidori
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Thema: Robert Polidori
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JH
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 41 Forenbeiträge seit dem 26.02.2007

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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 17.03.2007 um 21:41 Uhr |
Diese Nachricht wurde von JH um 21:42:42 am 17.03.2007
editiert
Zitat:Robert Polidori, 1951 in Montreal geboren, ist kein
Katastrophenfotograf. Er betrachtet seine Objekte aus
nüchterner Distanz mit dem Ziel, den „emblematischen
Moment" zu finden, in dem das, was war, und das, was ist, sich zu einem Motiv
zusammenfügen . Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zeigt in einer
europäischen Premiere etwa 100 Werke, darunter Fotografien
aus Kuba, Libanon, Versailles und New Orleans. Und sie zeigt
auch einige Werke aus der Serie der für den New Yorker in
den vergangenen Jahren entstandenen Architekturfotografien.
Der historische Kontext eines Ortes einschließlich seiner
Widersprüche sind Polidoris Thema. Menschenleer sind viele
seiner Fotos. Polidori ist ein Architekturfotograf, der
keiner sein will. Häuser sind für ihn belebte Denkmäler, von
Menschen für Menschen erdacht, und damit Orte, die über
Menschen erzählen. Polidori selbst sieht sich als
Fotojournalist, Künstler, fotografierender Soziologe,
Anthropologe und als „Muse der Erinnerung".
Seine Erklärung: „ Wenn ich die Kamera auf etwas richte, ist das wie eine Frage
zu stellen. Und das Bild, das entsteht, ist wie eine
Antwort. Ich habe erst nach längerer Zeit gemerkt, dass man, je
länger man ein Bild anschaut, immer mehr sieht, was man beim
ersten Hinsehen gar nicht bemerkt hat. Dieser Gewinn ist so
etwas wie eine Wissensdividende eines Fotos."
Technisch ist er Autodidakt. Fotoschulen lehnt er ab, weil
sie alles über Technik und Kamera vermitteln, aber nichts
darüber, wie man jene Situationen findet, in denen man die
Technik braucht.
Robert Polidori lebt in New York und Paris. Seine
Fotografien wurden in Paris, Brasilia, New York, Los Angeles
und Minneapolis ausgestellt. Er arbeitet regelmäßig für „The
New Yorker", „Geo" und „Architectural Digest
Deutschland". Für seine Reportagen reist er – in der
Rolle eines Kulturdetektivs – um die Welt. Zum ersten Mal zu
sehen sind auch Aufnahmen aus New Orleans, die in diesen
Monaten für den „New Yorker" entstanden. Seine
Fotografien aus Versailles, Havanna und Beirut bilden
weitere Schwerpunkte der Ausstellung im Martin-Gropius-Bau.
Ausstellung letztes Jahr (plus obiger Text)
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/11_gro
piusbau/mgb_04_rueckblick/mgb_rueckblick_ausstellungen/mgb_a
rchiv_ProgrammlisteDetailSeite_4200.php
Werke
http://www.artnet.de/artist/13621/robert-polidori.html
---
Ich habe das Kuba und Sperrzonenbuch von ihm, und es ist
wirklich angenehm, Fotografien ohne Menschen zu betrachten.
Ich kann mich seiner Philosophie nur anschließen. Will ich
Fotografien mit Menschen sehen, schaue ich mir James
Nachtweys Inferno an.
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Fluuu
Mitglied
    725 Forenbeiträge seit dem 18.10.2003

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Abgeschickt am: 18.03.2007 um 16:29 Uhr |
Du fotografierst ja selber auch, ich habe die Fotografie mit
der Sigma-DSLR auch wieder neu entdeckt und witme mich dabei
vor allem der abstrakten Fotografie. Bin gerade dabei eine
neue Internetpräsens mit diesen Bildern zu entwerfen.
Mein letztes Arbeisfeld war hauptsächlich digitale Kunst mit
Photopainting, fotografieren finde ich schon seit vielen
Jahren spannend, auch analog, jedoch habe ich es erst jetzt
wieder neu entdeckt.
Lese viele Bücher über das Handwerk und bin mit spannender
Aufmerksamkeit bei der Sache wenn es um renomierte
Fotografen geht. Auch da gibt es solche und solche. Habe die
Autobiografie von Helmut Newton gelesen und war total
entteuscht.
Die Bilder von Andreas Gursky sind nicht schlecht, zur Zeit
in München zu sehen und vor allem haben es mir die Arbeiten
von Anselm Kiefer angetahn, um nur mal bei den deutschen
Fotografen zu bleiben.
Robert Polidori sagte mir bisher noch nichts aber es gibt so
viele Menschen auf der Welt, es kann nicht jeder jeden
kennen. Ich habe Deine Ausführungen mit Interesse gelesen,
mir die Bilder angeschaut aber ohne tiefergehende
Beschäftigung will ich mich nicht äußern. Bin im Moment
nicht aufnahmebereit für seine Bilder, vielleicht schaue ich
später nocheinmal...
Wie gesagt bin ich mit der Website beschäftigt, ist kein
künstlerischer Prozess, eine Designarbeit aber muss zum
Veröffentlichen der Bilder fürs Erste eben sein...
gruß fluuu
http://www.fluuu-bilder.de | künstlerische Fotografie
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JH
Mitglied
 41 Forenbeiträge seit dem 26.02.2007

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Abgeschickt am: 10.05.2007 um 13:32 Uhr |
Hi fluuu, inzwischen hast Du ja deine neue
webseite, und mit nem guten Auge fürs Detail.
Polidori ist mir erst durch sein Buch mit Fotos aus
der 30 Km Tschernobyl Zone ins Auge gestochen.
Recht aktuell sind sie auch: 2001. Besonders
eindrucksvoll sind Bilder aus verlassenen,
verrottenden Klassenzimmern, und einem
vergilbten Leninbild an der Wand, davor Hunderte
Gasmasken (waren alle zu groß für die Kinder).
Ich überlege gerade das angesprochene Buch
"Inferno" von Nachtwey zu kaufen (150 €).
Andreas Gursky zeigt in meinen Augen, wie
Außerirdische wohl uns sehen müssten. Ich denke, seine Werke
gewinnen mehr und mehr an Aktualität, bei gleichzeitiger
Zunahme unserer Bevölkerung; und sie zeigen, dass ein
wesentlicher Teil unserer Menschenwelt aus Symbolismus
besteht, aus Götzen. Alles ist nur noch Masse und ist
deswegen richtig. Ich bin sehr inspiriert von ihm.
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Fluuu
Mitglied
    725 Forenbeiträge seit dem 18.10.2003

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Abgeschickt am: 14.05.2007 um 18:31 Uhr |
Hallo JH,
das Buch "Inferno" von James Nachtwey ist
sicherlich beeindruckend, konnte jetzt keine Beispielbilder
aus dem Buch finden und habe auf die Website von James
Nachtwey geschaut und dort einige Bilder aus der ganzen Welt
gefunden.
Er klagt die Mißstände an in klarer direkter Form aber ein
Foto ist nicht unbedingt die Wahrheit, man weiß nie genau in
welchem Umfeld ein Foto entsteht und ob das was es
suggeriert auch wirklich der Hintergrund ist, der es zu sein
scheint. Das andere ist, wenn man nur Bilder über die
Grausamkeiten der Welt in reiner Form zu sehen bekommt,
stumpft man sehr schnell ab, die Aufmerksamkeit lässt nach
und man wendet sich geistig anderen Dingen zu. Finde gute
Bilder sollten einen ersteinmal ´öffnen´ für die Inhalte und
erst dann provozierend schockieren in gezielter Form. Ein
Dauerschockieren bewirkt das Gegenteil von Anteilnahme.
150€ für einen Bildband als passiven Konsum sind mir in dem
Fall zu viel, die Bilder vermitteln keinen Lernprozess, man
kann mit ihnen nicht reifen, sie sind mir zusehr Skandal.
Wenn ich 150€ ausgebe muss das Produkt mir einen
persönlichen kreativen Prozess ermöglichen aus dem ich
klüger hervorgehe als vorher. Ein Bildband ist immer etwas
passives, er steht nur rum. Habe auch überlegt das Buch von
Anselm Kiefer, das ich zur Zeit von der Bücherei geliehen
habe zu kaufen (100€), habe daraus die Idee alte Bücher für
Skizzen und Malerei wie ein Tagebuch zu verwenden entnommen
und trotzdem, werde es nicht kaufen, es steht dann nur rum.
Lieber kaufe ich alte leere Bücher und zeichne und male dort
selber hinein...
gruß fluuu
http://www.fluuu-bilder.de | künstlerische Fotografie
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JH
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 41 Forenbeiträge seit dem 26.02.2007

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Abgeschickt am: 16.05.2007 um 16:45 Uhr |
Tja, ich weiß nicht, Lernprozess?
Beim Betrachten der Fotos in Inferno brauche ich den nicht
mehr. EIn Gegenteil von Anteilnahme habe ich nicht verspürt.
Nicht in 3000 Jahren. Bin einfach ein anderer Mensch,
vielleicht liegts auch am Beruf. Bestimmte Bücher und
Bildbänder sind Teil meiner Wohnung wie eine Wand oder ein
Erinnerungsstück, das man versuchen würde zu retten, wenn
die Wohnung brennt.
DIe Bilder sind schrecklich, manche aber auch wieder
urmenschlich.
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Fluuu
Mitglied
    725 Forenbeiträge seit dem 18.10.2003

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Abgeschickt am: 20.05.2007 um 13:12 Uhr |
Hallo,
das ist interessant, was würde ich retten wenn die Wohnung
brennt? Habe einen Ölofen im Arbeitszimmer der zu voll
gelaufen war und dann so stark glühte, dass ich die
Feuerwehr rief, sie kam dann auch als das Glühen langsam
nachließ. Seitdem, hauptsächlich im Winter wenn der Ofen an
ist, denke ich manchmal daran, dass das Arbeitszimmer
abbrennt und erwische mich wie es mir egal ist oder ich es
mir sogar wünsche. Nichts würde ich retten, alles brennt ab
und ich müsste neu anfangen, zwangsläufig, irgendwie eine
angenehme Vorstellung. Der ganze materielle Besitz ist
vernichtet, es bleibt nur das eigene Leben, alle erworbenen
Fähigkeiten und das bis dahin erlangte Wissen und Empfinden
übrig. Aus meiner Sicht der größte Wert und darum kaufe ich
keinen weiteren Bildband sondern male selber und gebe das
Geld für Maluntensilien und Ausstellungsausstattung aus. Da
kann ich mein Leben mehr mit bereichern als mit einem
weiteren Bildband. Habe einige von Leuten die mir was
bedeuten aber wie gesagt, der eigene Prozess bringt mehr
Reichtum als der Besitz.
gruß fluuu
http://www.fluuu-bilder.de | künstlerische Fotografie
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JH
Mitglied
 41 Forenbeiträge seit dem 26.02.2007

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Abgeschickt am: 23.07.2007 um 16:28 Uhr |
Das tue ich alles auch, plus: Dem eventuellen Dazukaufen und
Retten von Bildbänden.
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