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-- Fotografie
--- Robert Polidori

JH - 17.03.2007 um 21:41 Uhr

Diese Nachricht wurde von JH um 21:42:42 am 17.03.2007 editiert


Zitat:

Robert Polidori, 1951 in Montreal geboren, ist kein Katastrophenfotograf. Er betrachtet seine Objekte aus nüchterner Distanz mit dem Ziel, den „emblematischen Moment" zu finden, in dem das, was war, und das, was ist, sich zu einem Motiv zusammenfügen . Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zeigt in einer europäischen Premiere etwa 100 Werke, darunter Fotografien aus Kuba, Libanon, Versailles und New Orleans. Und sie zeigt auch einige Werke aus der Serie der für den New Yorker in den vergangenen Jahren entstandenen Architekturfotografien.

Der historische Kontext eines Ortes einschließlich seiner Widersprüche sind Polidoris Thema. Menschenleer sind viele seiner Fotos. Polidori ist ein Architekturfotograf, der keiner sein will. Häuser sind für ihn belebte Denkmäler, von Menschen für Menschen erdacht, und damit Orte, die über Menschen erzählen. Polidori selbst sieht sich als Fotojournalist, Künstler, fotografierender Soziologe, Anthropologe und als „Muse der Erinnerung".

Seine Erklärung: „Wenn ich die Kamera auf etwas richte, ist das wie eine Frage zu stellen. Und das Bild, das entsteht, ist wie eine Antwort. Ich habe erst nach längerer Zeit gemerkt, dass man, je länger man ein Bild anschaut, immer mehr sieht, was man beim ersten Hinsehen gar nicht bemerkt hat. Dieser Gewinn ist so etwas wie eine Wissensdividende eines Fotos."

Technisch ist er Autodidakt. Fotoschulen lehnt er ab, weil sie alles über Technik und Kamera vermitteln, aber nichts darüber, wie man jene Situationen findet, in denen man die Technik braucht.

Robert Polidori lebt in New York und Paris. Seine Fotografien wurden in Paris, Brasilia, New York, Los Angeles und Minneapolis ausgestellt. Er arbeitet regelmäßig für „The New Yorker", „Geo" und „Architectural Digest Deutschland". Für seine Reportagen reist er – in der Rolle eines Kulturdetektivs – um die Welt. Zum ersten Mal zu sehen sind auch Aufnahmen aus New Orleans, die in diesen Monaten für den „New Yorker" entstanden. Seine Fotografien aus Versailles, Havanna und Beirut bilden weitere Schwerpunkte der Ausstellung im Martin-Gropius-Bau.

Ausstellung letztes Jahr (plus obiger Text)

http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/11_gro piusbau/mgb_04_rueckblick/mgb_rueckblick_ausstellungen/mgb_a rchiv_ProgrammlisteDetailSeite_4200.php

Werke
http://www.artnet.de/artist/13621/robert-polidori.html
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Ich habe das Kuba und Sperrzonenbuch von ihm, und es ist wirklich angenehm, Fotografien ohne Menschen zu betrachten. Ich kann mich seiner Philosophie nur anschließen. Will ich Fotografien mit Menschen sehen, schaue ich mir James Nachtweys Inferno an.




Fluuu - 18.03.2007 um 16:29 Uhr

Du fotografierst ja selber auch, ich habe die Fotografie mit der Sigma-DSLR auch wieder neu entdeckt und witme mich dabei vor allem der abstrakten Fotografie. Bin gerade dabei eine neue Internetpräsens mit diesen Bildern zu entwerfen.
Mein letztes Arbeisfeld war hauptsächlich digitale Kunst mit Photopainting, fotografieren finde ich schon seit vielen Jahren spannend, auch analog, jedoch habe ich es erst jetzt wieder neu entdeckt.
Lese viele Bücher über das Handwerk und bin mit spannender Aufmerksamkeit bei der Sache wenn es um renomierte Fotografen geht. Auch da gibt es solche und solche. Habe die Autobiografie von Helmut Newton gelesen und war total entteuscht.
Die Bilder von Andreas Gursky sind nicht schlecht, zur Zeit in München zu sehen und vor allem haben es mir die Arbeiten von Anselm Kiefer angetahn, um nur mal bei den deutschen Fotografen zu bleiben.
Robert Polidori sagte mir bisher noch nichts aber es gibt so viele Menschen auf der Welt, es kann nicht jeder jeden kennen. Ich habe Deine Ausführungen mit Interesse gelesen, mir die Bilder angeschaut aber ohne tiefergehende Beschäftigung will ich mich nicht äußern. Bin im Moment nicht aufnahmebereit für seine Bilder, vielleicht schaue ich später nocheinmal...
Wie gesagt bin ich mit der Website beschäftigt, ist kein künstlerischer Prozess, eine Designarbeit aber muss zum Veröffentlichen der Bilder fürs Erste eben sein...

gruß fluuu




JH - 10.05.2007 um 13:32 Uhr

Hi fluuu, inzwischen hast Du ja deine neue
webseite, und mit nem guten Auge fürs Detail.
Polidori ist mir erst durch sein Buch mit Fotos aus
der 30 Km Tschernobyl Zone ins Auge gestochen.
Recht aktuell sind sie auch: 2001. Besonders
eindrucksvoll sind Bilder aus verlassenen,
verrottenden Klassenzimmern, und einem
vergilbten Leninbild an der Wand, davor Hunderte
Gasmasken (waren alle zu groß für die Kinder).

Ich überlege gerade das angesprochene Buch
"Inferno" von Nachtwey zu kaufen (150 €).
Andreas Gursky zeigt in meinen Augen, wie
Außerirdische wohl uns sehen müssten. Ich denke, seine Werke gewinnen mehr und mehr an Aktualität, bei gleichzeitiger Zunahme unserer Bevölkerung; und sie zeigen, dass ein wesentlicher Teil unserer Menschenwelt aus Symbolismus besteht, aus Götzen. Alles ist nur noch Masse und ist deswegen richtig. Ich bin sehr inspiriert von ihm.




Fluuu - 14.05.2007 um 18:31 Uhr

Hallo JH,

das Buch "Inferno" von James Nachtwey ist sicherlich beeindruckend, konnte jetzt keine Beispielbilder aus dem Buch finden und habe auf die Website von James Nachtwey geschaut und dort einige Bilder aus der ganzen Welt gefunden.
Er klagt die Mißstände an in klarer direkter Form aber ein Foto ist nicht unbedingt die Wahrheit, man weiß nie genau in welchem Umfeld ein Foto entsteht und ob das was es suggeriert auch wirklich der Hintergrund ist, der es zu sein scheint. Das andere ist, wenn man nur Bilder über die Grausamkeiten der Welt in reiner Form zu sehen bekommt, stumpft man sehr schnell ab, die Aufmerksamkeit lässt nach und man wendet sich geistig anderen Dingen zu. Finde gute Bilder sollten einen ersteinmal ´öffnen´ für die Inhalte und erst dann provozierend schockieren in gezielter Form. Ein Dauerschockieren bewirkt das Gegenteil von Anteilnahme.

150€ für einen Bildband als passiven Konsum sind mir in dem Fall zu viel, die Bilder vermitteln keinen Lernprozess, man kann mit ihnen nicht reifen, sie sind mir zusehr Skandal.
Wenn ich 150€ ausgebe muss das Produkt mir einen persönlichen kreativen Prozess ermöglichen aus dem ich klüger hervorgehe als vorher. Ein Bildband ist immer etwas passives, er steht nur rum. Habe auch überlegt das Buch von Anselm Kiefer, das ich zur Zeit von der Bücherei geliehen habe zu kaufen (100€), habe daraus die Idee alte Bücher für Skizzen und Malerei wie ein Tagebuch zu verwenden entnommen und trotzdem, werde es nicht kaufen, es steht dann nur rum. Lieber kaufe ich alte leere Bücher und zeichne und male dort selber hinein...

gruß fluuu




JH - 16.05.2007 um 16:45 Uhr

Tja, ich weiß nicht, Lernprozess?
Beim Betrachten der Fotos in Inferno brauche ich den nicht mehr. EIn Gegenteil von Anteilnahme habe ich nicht verspürt. Nicht in 3000 Jahren. Bin einfach ein anderer Mensch, vielleicht liegts auch am Beruf. Bestimmte Bücher und Bildbänder sind Teil meiner Wohnung wie eine Wand oder ein Erinnerungsstück, das man versuchen würde zu retten, wenn die Wohnung brennt.
DIe Bilder sind schrecklich, manche aber auch wieder urmenschlich.




Fluuu - 20.05.2007 um 13:12 Uhr

Hallo,
das ist interessant, was würde ich retten wenn die Wohnung brennt? Habe einen Ölofen im Arbeitszimmer der zu voll gelaufen war und dann so stark glühte, dass ich die Feuerwehr rief, sie kam dann auch als das Glühen langsam nachließ. Seitdem, hauptsächlich im Winter wenn der Ofen an ist, denke ich manchmal daran, dass das Arbeitszimmer abbrennt und erwische mich wie es mir egal ist oder ich es mir sogar wünsche. Nichts würde ich retten, alles brennt ab und ich müsste neu anfangen, zwangsläufig, irgendwie eine angenehme Vorstellung. Der ganze materielle Besitz ist vernichtet, es bleibt nur das eigene Leben, alle erworbenen Fähigkeiten und das bis dahin erlangte Wissen und Empfinden übrig. Aus meiner Sicht der größte Wert und darum kaufe ich keinen weiteren Bildband sondern male selber und gebe das Geld für Maluntensilien und Ausstellungsausstattung aus. Da kann ich mein Leben mehr mit bereichern als mit einem weiteren Bildband. Habe einige von Leuten die mir was bedeuten aber wie gesagt, der eigene Prozess bringt mehr Reichtum als der Besitz.

gruß fluuu




JH - 23.07.2007 um 16:28 Uhr

Das tue ich alles auch, plus: Dem eventuellen Dazukaufen und Retten von Bildbänden.



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