
|
Kunstforum: Prenzlmaler:Bilder aus Ohorn.Referenz Heimat


Aktuelle Zeit: 21.04.2026 - 12:04:15
| Hallo Gast, Sie sind nicht eingeloggt!
|
|
Forum > Aktuelles > Prenzlmaler:Bilder aus Ohorn.Referenz Heimat
|
Autor
|
|
Thema: Prenzlmaler:Bilder aus Ohorn.Referenz Heimat
|
Dieter_Raedel
Mitglied
 14 Forenbeiträge seit dem 24.06.2006

Geschlecht:
|
| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 24.06.2006 um 11:54 Uhr |
Seit Jahren male ich Berliner Bilder,fernab meines
Heimatortes Ohorn in Sachsen.Der Ort liegt im Kreis
Bischofswerda und wird von der Autobahn Dresden-Bautzen
durchquert.Westlausitzer Bergland.Beginn der
Oberlausitz.Berge.Wälder.Zwei kleine Flüsschen:die Pulsnitz
und die Röder.Gewässer,die sich durch den Wald
schlängeln,bieten entzückende Motive.So ist das auch im
Ohorner Niederwald.Egal,wo man sich
aufhält,Kindheitserinnerungen.Empfindungen werden
geweckt.Und dann wäre da noch der herrliche mit Findlingen
übersähte Oberwald,mit seinem Ohorner Steinberg,dessen
Findlinge auf der größten Anhöhe begehbar sind.Ein
Caspar-David-Friedrich-Motiv.Nur das Kreuz fehlt.
In einem Buch stand:Der Ohorner Wald ist einer der schönsten
Wäder Deutschlans.Wohl wahr.
Inzwischen entstanden mehrere Zeichnungen und Gemälde vom
Steinberg,der Jugendherberge am Schleißberg,der Blick nach
Steina,wo man von der kleinen Sächsischen Schweiz
spricht,der Schlosspark,meiner Ohorner Schule und
Federzeichnungen vom Niederwald..
Die künstlerische Arbeit an solchen Orten ist nicht nur
schlechthin erinnerungsbehaftet,es kommen ungewohnt heftige
Emotionen hoch,die in die Arbeit einfließen.So sehen meine
Berliner Bilder anders aus,als die Arbeiten des Ortes meiner
Kindheit.Wir Malerinnen und Maler können dem Ort der Geburt
ein kleines Denkmal setzen.
Sind von euch auch Leute in der Ferne?Und habt ihr eurem
Heimatort ebenfalls künstlerische Referenz erwiesen?Waren
bei der Arbeit die besonderen Emotionen spürbar?
Mit netten Grüßen Dieter.
P.S.: Meine Werke kann ich hier nicht zeigen,da ich noch
keine HP besitze ;
100 Jahre - Die Brücke
|
|
Dieter_Raedel
Mitglied
 14 Forenbeiträge seit dem 24.06.2006

Geschlecht:
|
| 1 Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 05.07.2006 um 17:25 Uhr |
Wie schnelllebig doch die Zeit ist,sogar in Ohorn.Kaum war
man vom Landkreis Kamenz nach Bischofswerda gewechselt,so
ist man wieder im Kreis Kamenz gelandet.Ohorn pendelt hin
und her,hat offensichtlich zwei Bedarfsebenen.So erging es
auch der Jugendherberge,die zur Schleißbergbaude wurde.Kein
übler Name,aber die Pendelei dürfte nicht unbedingt vom
Erfolg gekrönt sein,da die Baude weiterhin die
Jugendherberge bleibt.So eigensinnig sind die Ohorner.
Dieses Hin und Her belegt ja auch die den Ort durchtrennende
Autobahn.Als ich erstmals den Schallschutz sah,glaubte ich
meinen Augen nicht zu trauen.Wie ein naturwidriges Element
durchzuckt dieses Sperrgebiet den einstmals an diesen
Stellen so schönen Ort.Nun gibt es auch die optische
Trennung.Mir fiel eigentlich nur die Berliner Mauer ein -
aber die war ja nicht grünlich.Es müssten viele Bäume
gepflanzt werden,um dieses eigenartige Bauwerk zu
kaschieren.Nein,das ist nicht malerisch.
Na klar,das kleine Flüsschen Pulsnitz trennte ja auch in
vergangener Zeit den Ort:eine Seite gehörte zu Böhmen und
die andere zu Meißen.Selbst wenn man nach Pulsnitz
kommt,wird noch von der Meißner Seite gesprochen.Hier durfte
der Ort sogar in zwei Ländern rumpendeln.Ja,das Schloss
heißt ja auch nicht mehr nur Schloss,nein es ist wieder
Rittergut geworden.Rittergut,alles gut!Rittergut mit
Senioren-Residenz.Residenz,das klingt für Ohorn
angemessen.Da hat doch schon mal ein gestrenger Häuptling
residiert.Preußen hatte seinen Friedrich und war´s
zufrieden.Ohorn war Vorreiter,denn man hatte schon im
16.Jahrhundert auf einen Friedrich gesetzt,der Ordnung
halber der Strenge,das klingt nicht gerade nach Freiheit.
Wenn man die Ohorner Poststraße erklimmt,landet man zwar
auf einer Anhöhe,doch niemals bei der Post.Die gibt´s gar
nicht.Die ist weggependelt worden.Nur das Gebäude steht noch
da,verziert mit Fachwerk.Ja,diese architektonische
Physiognomie könnte man durchaus mal in einem Gemälde
festhalten.
Nebenan steht die dicke Berta.Jedenfalls eine
Verwandte.Breit und so gar nicht in die übrige Häuserwelt
passend.Auf dem Dach der Dicken ein Pickel,ein Aufsatz,und
man grübelt,ob es sich nun um eine Wetterwarte der ARD
handeln könnte oder ob da Beobachtungen am nächtlichen
Ohorner Himmel passieren.Verweilt man in den Abendstunden
oder am Sonntag,fängt die Wetterstation plötzlich an zu
läuten.Nanu,aber wo ist die Kirche?Ja,also,ne Kirche gibt´s
da nicht.Man hat einfach einen Saal hinten angebaut und da
können sich die Gläubigen vereinen.Es ist der Betsaal.Der
Betsaal ist das Anhängsel einer ehemaligen Dampfmühle des
Rittergutes.Aha,deshalb ist die Architektur so globig
geworden.Geschichtsträchtig spricht man vom Kirchlehn.Mir
ist seit der Kindheit sogar noch die ehemalige Hausnummer in
Erinnerung: Nr.41.Genau dort wohnte zur Straße hin auf der
rechten Seite im Erdgeschoss Max Schmidt,mein Opa.Im ersten
Stock empfing uns Pfarrer Kühne,der uns manchmal durch den
Raum scheuchte,weil wir seine biblischen Worte falsch
auslegten.Aber ein kleines Bildchen hing links im Raum,das
sich mir für alle Ewigkeit einprägte:ein Kunstdruck des
Abendmahls von Leonardo da Vinci.Stundenlang studierte ich
dieses Bild und saß manchmal zwischen den Jüngern.So brachte
mir mein Heimatort Leonardo nah - eine unglaubliche Leistung
!
100 Jahre - Die Brücke
|
|
Forum > Aktuelles > Prenzlmaler:Bilder aus Ohorn.Referenz Heimat
|
|
|