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Kunstforum: Freiheit in der Kunst


Aktuelle Zeit: 21.04.2026 - 11:34:15
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Forum > Aktuelles > Freiheit in der Kunst
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Autor
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Thema: Freiheit in der Kunst
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Andre-Weinrich
Mitglied
 30 Forenbeiträge seit dem 30.03.2008

Geschlecht:
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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 05.09.2008 um 13:27 Uhr |
Hallo Stefanie,
ich denke sehr wohl an eine Freiheit in der Kunst, wenn man
bedenkt, dass eine Zensur der Kunst laut Grundgesetz schon
untersagt ist.
Allerdings sollte die von Dir angesprochene Verherrlichung
mit allen Konsequenzen vom Künstler selbst getragen werden,
d.h. verbrennt der Künstler durch derartige Aktionen seinen
Namen, muss er die Schuld bei sich selbst suchen und nicht
bei einer Gesellschaft, die seine Kunst missbilligt.
Ich denke, dass dieses das größte Problem sein wird, die
Akzeptanz der Gesellschaft, der Sammler und Liebhaber.
Und das eigene Maß an Pietät und die eigene Sicht auf die
Dinge.
Ein Künstler, der mit seiner Kunst diskriminiert, Gewalt
verherrlicht, herabsetzt, darf niemandem Vorwürfe machen,
wenn es ihn selbst betrifft.
Ein Künstler, der bei dieser Fragestellung kein Maß kennt,
und auch vor entsprechender Kunst nicht zurückschreckt, aber
einen Hund hat und liebt, muss dann auch ertragen können,
wenn ein italienische Künstler in einem Museum einen Hund
anleint, das Futter außerhalb dessen Reichtweite plaziert
und die Besucher einlädt, dem Hund beim Verhungern bis zum
Tod zuzusehen.
Ein Künstler, der mit seinen Werken zu Gewalt aufruft,
sollte die rechtlichen Konsequenzen tragen, wie jemand, der
unter normalen Umständen zu Straftaten anstiftet.
Kunst und der Status Künstler darf kein Freibrief sein.
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Fluuu
Mitglied
    725 Forenbeiträge seit dem 18.10.2003

Geschlecht:
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| 1 Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 10.09.2008 um 13:14 Uhr |
Diese Nachricht wurde von Fluuu um 13:27:21 am 10.09.2008
editiert
Diese Nachricht wurde von Fluuu um 13:24:45 am 10.09.2008
editiert
Doch, der Freiraum des Künstlers in der Gesellschaft muss
unabhängig sein, auch von bürgerlichen Gesetzen sonst kann
er die gesellschaftlichen Prozesse einer bürgerlichen Norm
nicht Reflektieren. Jedoch betrifft das nur die Ausübung des
künstlerischen Berufes, als Privatperson ist er ein Bürger
und muss die volle Verantwortung übernehmen wie jeder andere
auch.
Es ist möglich als Kunstwerk einen Hund verhungern zu lassen
mit dem Napf außer Reichweite auf der Bühne der Kunst und
die Bürger müssen Zuschauen wenn sie Können. Man kann es
ignorieren, sich am qualvollen Tod ergötzen, sich dagegen
Auflehnen und Aufbegehren oder ganz einfach dem Hund den
Napf hinschieben damit er Fressen kann.
Mich erinnert das z.B. an Judenvernichtung, das war keine
Kunst sondern Alltag und die Meisten konnten Zuschauen...
Das war in Deutschland keine Straftat nach den bürgerlichen
Gesetzen sondern befohlen.
Um auf solche krassen grausamen gesellschaftlichen
Entwicklungen reagieren zu Können muss der Künstler
unabhängig sein, auch von bürgerlicher Sitte und Moral.
Er ist nur seinem eigenen Gewissen als Mensch verpflichtet,
wenn er keins spürt kann er nur ein schlechter Künstler sein
und ist belanglos.
Dieses Schreien nach bürgerlichem Gesetz und Ordnung als
Hüter für Sitte und Moral nutzt letztendlich gar nichts, das
ist alles manipulierbar, ein wirklicher Wert sollte das
eigene innere Gespür sein wie es z.B. ein guter Künstler
einzusetzen versteht um auf die Belange des menschlichen
Zusammenlebens aufmerksam zu machen.
gruß fluuu
http://www.fluuu-bilder.de | künstlerische Fotografie
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pic-nicker
Mitglied
 1 Forenbeitrag seit dem 12.09.2008
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| 2 Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 12.09.2008 um 10:00 Uhr |
Nein, also ich stimme dir zwar in den allgemeinen Dingen zur
Kunstfreiheit zu, aber nicht in der Sache mit dem Hund.
Tiere sind zwar im bgb nur Sachen, d.h. man kann nicht zum
Mörder werden. Aber Tierquälerei (von Wirbeltieren) ist in
Deutschland strafbar. Die Szene aus dem italienischen Museum
wäre in Deutschland nicht vorstellbar, schon wegen der Demos
von Tierschützern. Dadurch hätte der Künstler dann ein
anderes Ziel erreicht: Bevor seine Aktion allzu viele
Menschen persönlich schockieren kann, ist sie schon von
Menschenmassen und Massenmedien besetzt und verarbeitet
worden.
Ich finde das Beispiel mit dem Hund ja hoch interessant,
hatte aber noch nie sowas gehört. Wo/wer war das denn? Fast
zweifle ich ja daran, dass die Aktion bis zum Ende
durchgezogen wurde.
Ich habe dann sofort daran gedacht: Wenn dieser Künstler die
Aktion in Italien durchgeführt hat (weil sie nicht gegen
Gesetze verstieß) und dann mit der Ausstellung nach
Deutschland kommt, dann dreht er vielleicht einfach ein
schockierendes Video, bei dem fiktiv das Gleiche passiert,
aber eben nicht real. Der (vorab informierte) deutsche
Besucher weiß aber, dass der Künstler die Sache in Italien
durchgezogen hat.
Das Ganze bekommt sublim einen ganz anderen Dreh...
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Andre-Weinrich
Mitglied
 30 Forenbeiträge seit dem 30.03.2008

Geschlecht:
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| 3 Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 12.09.2008 um 10:10 Uhr |
Hallo pic-nicker und alle anderen,
habe mich wegen der Kunstaktion mit dem verhungernden Hund
ein wenig geirrt, war nicht in Italien (wobei ich dachte,
ich hätte es so gelesen), sondern in Costa Rica...
Nachzulesen unter dem Link
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,512799,00.h
tml
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Fluuu
Mitglied
    725 Forenbeiträge seit dem 18.10.2003

Geschlecht:
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| 4 Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 14.09.2008 um 19:52 Uhr |
...wie auch immer, für mich zählt der visionäre Gedanke des
zwischenmenschlichen Zusammenlebens und da sind Gesetze,
Regeln und Verordnungen von oben nach unten durchgesetzt
nicht notwendig.
Jeder Mensch ist Künstler und seinem Gewissen verpflichtet
und somit gibt es keine nennenswerten Handlungen gegen die
Gemeinschaft. Jeder entscheidet für sich der Gemeinschaft zu
Dienen und nicht dem eigenen Vorteil weil es letztlich mehr
Überleben bedeutet. Dann braucht es keine Polizei und kein
Gericht mehr als durchführende Organo des Gewaltmonopols vom
Staat. Aber wie gesagt....reine Vision.
Bin im Tauschring der Region hier in Bayern, eine Form des
Austausches ohne Euro und da ist die Gemeinschaft so
organisiert, dass jeder Einzelne die Verantwortung für das
Gelingen des Ganzen trägt. Es gibt keine ernannte Regierung
und keine Hierarchie. Ist ein wunderbares und alternatives
Modell von Gemeinschaft.
Hat etwas mit dem erweiterten Kunstbegriff und der sozialen
Plastik von Beuys zu tun wenn man so will.
gruß fluuu
http://www.fluuu-bilder.de | künstlerische Fotografie
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Regina Herzog
Mitglied
 20 Forenbeiträge seit dem 11.03.2005

Geschlecht:
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| 5 Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 17.09.2008 um 20:26 Uhr |
"Kunst" an sich ist ein Begriff. Kunst kann aus
sich heraus gar nichts, ist keine Person und kann
demzufolge auch niemals zur Rechenschaft gezogen werden,
wenn z.B. unter ihrem Deckmantel gewaltverherrlichende Werke
präsentiert werden.
Es ist immer ein MENSCH, der die Kunst schafft und somit ist
auch er immer persönlich zur Verantwortung zu ziehen.
Ich finde, kein Mensch hat das Recht, diskriminierend,
gewalttätig, bösartig oder mordend durchs Leben zu gehen,
dazu aufzurufen oder andere dazu zu animieren, egal mit
welchen Mitteln. Es würde geradezu herausfordern, dass das
Mittel der Kunst heftigst missbraucht würde, wäre es da
erlaubt. Man könnte dann glatt behaupten, all die nett
präsentierten Hakenkreuze seien Kunst gewesen?!?!?
Gewalt und Diskriminierung in jeder Form sind etwas
Abscheuliches, und leider ist es nötig, diese Dinge durch
Gesetze zu regeln.
Durch seine Kunst darf ein Künstler jedoch auf alle diese
Dinge hinweisen und alle Missstände, die aufzudecken er für
nötig erachtet breittreten und mit seinen handwerklichen
Mitteln ausschlachten.
Aber eigentlich ist auch das kein ausschließliches Verdienst
und Vorrecht der "Kunst", denn im Rahmen ihrer
Möglichkeiten tun das ja viele andere, (nichtkünstlerische)
Menschen auch. Und das ist gut so!
"Kunst" und Künstler sollten in meinen Augen nicht
so mystifiziert werden. Es sind Menschen, die für sich eine
bildende Form gefunden haben, ihr Leben zu verarbeiten.
Viele dieser Ergebnisse sind wunderschön und eine absolute
Bereicherung für den, der sie zu sehen bekommt. Trotz allem
bleibt auch der Künstler "nur" ein Mensch. Mit all
den Rechten aber auch Pflichten des Mensch-seins.
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Regina Herzog
Mitglied
 20 Forenbeiträge seit dem 11.03.2005

Geschlecht:
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| 6 Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 17.09.2008 um 20:30 Uhr |
Diese Nachricht wurde von Regina Herzog um 20:35:18 am
17.09.2008 editiert
Diese Nachricht wurde von Regina Herzog um 20:34:19 am
17.09.2008 editiert
"
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maler-hans
Mitglied
   291 Forenbeiträge seit dem 12.05.2006

Geschlecht:
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| 7 Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 18.09.2008 um 23:14 Uhr |
Zitat:
Ich finde, kein Mensch hat das Recht, diskriminierend,
gewalttätig, bösartig oder mordend durchs Leben zu gehen,
dazu aufzurufen oder andere dazu zu animieren, egal mit
welchen Mitteln.
Das und der Rest des Beitrags ist nur zu bestätigen.
Freiheit, auch die des Künstlers, hört immer da auf, wo die
Freiheit (und erst recht Unversehrtheit) des anderen
anfängt.
Gruß von Maler Hans (www.atelier-lasslob.de)
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maler-hans
Mitglied
   291 Forenbeiträge seit dem 12.05.2006

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| 8 Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 30.09.2008 um 16:31 Uhr |
Zitat:
Diese Nachricht wurde von Stefanie Karg um 14:35:18 am
21.09.2008 editiert
Auch die letzten beiden Beiträge sprechen mir aus der Seele.
Bleibt nur noch die große Frage, ab wann ein Werk Schaden
zufügt und wie man es beweisen soll - ganz besonders, wenn
es sich um einen langsam bewußtseinsverändernden Prozess
handelt, der zu einer anderen Sicht auf bestimmte Gruppen in
unserer Gesellschaft führt bzw. zu weniger
Empathiefähigkeit.
Natürlich kann man nie ganz sicher sein, was die eigenen
Handlungen nach sich ziehen, das gilt nicht nur in der
Kunst. Es kommt aber in jedweder Ethik zunächst darauf an,
was man (nicht) will. Eine dauernde Angst, was man womöglich
unwillentlich anrichten könnte, würde in der Tat lähmen.
Auch für das Nachdenken über mögliche Folgen eigenen
Handelns gilt das alte Wort vom "rechten Maß"
(womit man übergehen könnte zum Goldenen Schnitt …).
Gruß von Maler Hans (www.atelier-lasslob.de)
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Fluuu
Mitglied
    725 Forenbeiträge seit dem 18.10.2003

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| 9 Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 03.10.2008 um 15:52 Uhr |
...finde dieses ständige Appellieren an die Bravheit der
Mitbürger so ignorierend und so langweilig, nur damit man
sich selbst in der rosa Wolke der Sicherheit wiegen kann.
Das ist eine Illusion, es gibt Leben und Tod, dem kann sich
niemand entziehen und wer den Tod im Alltag zu Leben
versteht hat kaum etwas zu Befürchten. Das ist die Lösung
für ein freiheitliches und unabhängiges Leben in
Eigenverantwortung. Dazu muss man aber der Gewalt, der
Grausamkeit, dem Hass, dem Hässlichen und dem Tod ins
Gesicht gucken Können und dem Blick standhalten.
Ein Künstler sollte das Können und hat deshalb Freiheiten
bei seiner Arbeit an verschiedenen Themen und der
Veröffentlichung in der Gesellschaft.
gruß fluuu
http://www.fluuu-bilder.de | künstlerische Fotografie
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