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Oppenheim und die Kunstzensur


Die Wogen schlugen hoch in Oppenheim und alles nur wegen der Kunst:
Erst lud man artattac ein, im Wein- und Sekthaus Völker´s ihre Kunst zu präsentieren, dann aber, als die Bilder hängten, wieder aus - wegen des erotischen Charakters der Kunst.
Sogar von Seiten der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz hat sich Steffen Bungert, mit der Koordi-nation des Rheinland-Pfalz-Tages beauftragt, bei den Künstlerinnen gemeldet und deutlich von dem Wissen um diese Aktion oder gar einer etwaig angeregten Abhängeaufforderung distanziert, sowie den beiden Künstlerinnen ans Herz gelegt, die Ausstellung nicht vorzeitig zu beenden. Er sprach dabei auch im Namen des Sprechers der Landesregierung, Ministerial-direktor Walter Schumacher.
Auch die übrigen daran Beteiligten von Oppenheim wären jetzt doch damit einverstanden.
Was war eigentlich passiert?
Die Oppenheimer entschließen sich, mit dem Nachbarort Nierstein zusammen den Rheinland-Pfalz-Tag zu organisieren. Ein paar vorgreifende Events machten die Sache populär, die Me-dien werden eingeladen, Schausteller und Budenbesitzer für den Festlindwurm gewünscht.
Und man war bemüht, sich mit möglichst viel – natürlich kostenfreier - Kunst zu dekorieren.
Also suchte man über die Presse noch eifrige Mitstreiter, die dem hübschen Dorf mit dem mittelalterlichen Charakter zu einer illustren Szene verhelfen könnten. Dass man dabei in manchen Köpfen das Mittelalter noch nicht ganz verlassen hat, zeigt folgende kuriose und vor allem diskriminierende Begebenheit:
Dem Ruf der Presse folgten 26 Künstler an 17 Ausstellungsorten. Eine der Auf-den-Leim-Gegangenen, mit denen sich der Ort zu schmücken gedachte, war die Künstlergruppe artattac. Deren Mitglieder (Claudia Hüfner und Elke Wilmsmann) besaßen schon einzeln reiche Aus-stellungserfahrung, gemeinsame ebenfalls, und wollten sich nun zum ersten Mal unter diesem neuen Namen präsentieren. Man bewarb sich also mit einem Exposé in der Gemeinde Oppen-heim, nachdem eine mündliche Anfrage und die Beschreibung des eigenen Tuns schon auf starkes Interesse gestoßen war: Aquarelle, Abstraktionen und erotische Fotografien. Erotische Fotografien? Der erste Ansprechpartner lechzte begeistert und sah vor seinem geistigen Auge bereits die ideale Ausstellungsfläche. Man bewarb sich also mit einer Auswahl an Bildern und den Vitas – und wurde angenommen.
Jetzt begann die Suche von Seiten der Stadt, respektive der MAP Consult GmbH, deren Er-folg auf Grund verschiedener Gemeindeverbands- und Bürgermeisterstränge, die an der Durchführung dieses großen Landes-Spektakels zerrten, erst auf den zweiten Anlauf zu ver-zeichnen war.
Das Wein- und Sekthaus Völker´s sollte es sein.
Auch dort lag das Exposé vor. Der Hausherr wusste also, was an seine Wände kommen wür-de. Mit „Pfälzer Variationen von Wein und Weib“ brachte artattac die unterschiedlichen Techniken (Fotografie, Grafik, Malerei und Skulptur) der Werke zu dem ihnen gemeinsamen Thema auf einen Nenner.
Nun ja, wie das so ist mit Versprechungen, mit denen man einen Künstler eine schwierige Ausstellungsfläche schmackhaft machen will, die verflüchtigten sich sehr schnell.
Dafür regten sich jetzt eifrige Gemüter, denen die Fotografien plötzlich zu heiß waren. Nein, nein, es handelte sich dabei nicht etwa um deutliche Akte, eindeutig zweideutige Posen, oder gar obszöne Darstellungen - nein, ein hi und da hinter Foto-Projektionen aufblitzender und erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennbarer weiblicher Körper oder auch ein Teil da-von, ein weiblicher Busens zwischen Weintrauben versteckt, seien einfach zuviel der eroti-schen Ausstrahlung oder gar Ästhetik für die braven Oberen der Stadt.
Per Fax setzte der Bürgermeister Klaus Penzer Elke Wilmsmann (und nur Elke Wilmsmann!) die Pistole auf die Brust. Zitat: „Im Hinblick auf das bei ‚Völker´s’ stattfindendende Kabi-nettessen, an dem neben dem Kabinett weitere hochrangige Vertreter des Landes Rheinland-Pfalz teilnehmen, wurden Befürchtungen laut, dass der erotische Charakter Ihrer Werke un-terschiedliche, teilweise auch negative Empfindungen auslösen könnte.“
Vordergründig fürsorglich bot man ihr eine andere Ausstellungsmöglichkeit an, um die edle Gesellschaft nicht mit einer künstlerisch verhüllten Weiblichkeit oder gar dem Thema Frau-enkörper in der Kunst, das es nun seit Jahrhunderten gibt, zu konfrontieren.
Also übte man lieber Zensur, beleidigte die Künstlerinnen und wollte - erleichtert über den eigenen subtilen Kunstverstand - die Kunst in ein Nebengebäude auslagern. Natürlich wieder ohne irgendeine Aufwandsentschädigung für Zeit und nochmals zusätzlich auftretende Kosten für die Aktiven.
Die Künstlerinnen erwogen das vorzeitige komplette Abhängen der Werke, lassen sich aber von den Argumenten aus der Staatskanzlei überzeugen und beenden die Ausstellung nicht vorzeitig.
Sie läuft weiterhin bis zum 31.5.2004 im
Weinhaus Völker
Krämerstr. 7
D-55276 Oppenheim
Weitere Infos unter http://www.rlp-tag.de unter Ausstellungen.



Dieser Artikel wurde von an folgendem Datum: 2022-03-06 22:20:07 eingestellt.


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