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Kunst: Ausdruck einer Individualität Was Roland Heyder sich auf die Ochsentour selbst beigebracht
hat, dafür müssen manche jungen Leute viele Jahre studieren.
Seine „Akademie des Lebens“ jedenfalls hat ihn weit
gebracht, hat ihn aber auch vor Hochmut bewahrt und hat ihm
die seltene Gabe des Humors in der Kunst beschert. Wie
anders könnte er so ungeniert und gekonnt seine gemalten
Collagen ersinnen, oder sein augenzwinkerndes Ölbild
„Vermeers Malkunst“! Eine Kopie? Gewiss auch das!
Altmeisterliche Technik, Drapierungen, Maler und Modell,
selbst der flämische Lüster, die Landkarte, das seltsam
intime und zugleich doch helle Atelierlicht: alles
originalgetreu, wäre da nicht auf eben dieser Landkarte eine
moderne junge Frau zu sehen, die sich ein wenig fragend in
dieser Inszenierung umsieht, wäre die leichte Ironie, das
Spiel mit der Vergangenheit gar nicht sofort erkennbar.
Landschaften, Interieurs, Akte, Collagen, was auch immer
unter Roland Heyders Händen entsteht ist von einer
ungemeinen Liebe zum Detail bestimmt. Er setzt seine grauen
Wolken in leblose Landschaften, lässt das Licht auf seine
altmeisterlichen Miniaturlandschaften leuchten, zu denen er
oft in seinen Bildern Ausblicke eröffnet, er zitiert, setzt
gelegentlich aber auch – einer Collage vergleichbar –
unterschiedlichste Komponenten und Aussagen zu einem Bild
zusammen, so im 1999 entstandenen Ölbild „Otto Dix“, in dem
sich neben dem Porträt des Künstlers Zitate aus seinen
Werken, Reflektionen über Leben und Tod, Szenen aus
Dix’schem Inferno aber auch Architektur und romantische
Landschaftsszenen finden lassen. Einen Zug zur Romantik,
gepaart mit der ihm eigenen Ironie, entdeckt man häufig in
den Heyder’schen Bildern, so auch in „Geschlechtertrennung“
von 1996. Aus der Leinwand, die im Bildvordergrund mit einem
Panzernashorn nebst dem eben dieses zeichnenden Bleistift,
einem Apfel und einer ihn zerteilenden Klinge besteht, deren
Schaft nach oben zu einem Regenrohr mutiert, wächst ein
Haus. Mit einer optischen Brechung auf halber Höhe, als
veränderten sich da die Luftschichten, perspektivisch so
gestaltet, dass der Betrachter sich unwillkürlich nach
hinten beugt, Das schöne, südländisch anmutende Haus, von
dem der Putz abbröckelt, beherbergt Menschen, links den
Mann, der sich weit aus dem Fenster lehnt, mit einer Angel
einen Vorhang lüftend, der über einem Mauerdurchlass hing
und der jetzt den Blick in eine schöne südliche Landschaft
freigibt. In der rechten Abteilung des Hauses die Damen,
eine wie eine Allegorie als Rückenakt im Fenster stehend,
die andere - ebenfalls ein Akt – sich weit aus dem Fenster
herausbeugend, um den Angelnden zu reizen oder nur zu
betrachten, der jedenfalls scheint sich nur für seine Angel
zu interessieren. Eine Allegorie? Ein Vexierbild? Man
wünscht sich einen schmunzelnden Roland Heyder in dieses
Bild, der dem Betrachter zu weiteren Spekulationen
auffordert.von Robert Musil Dieser Artikel wurde von Roland Heyder an folgendem Datum: 2022-03-06 22:20:07 eingestellt. Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von xarto.com übereinstimmen. zurück zur Artikelübersicht
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