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-- Plauderecke
--- Keine Zeit für schöne Bilder

mezzo4te - 26.12.2006 um 00:24 Uhr

Diese Nachricht wurde von mezzo4te um 00:27:47 am 26.12.2006 editiert

Das Jahr neigt sich dem Ende zu - Zeit für Rück- und Vorwärtsblicke. Ein Gruselkabinett! Unsere Gesellschaft droht aus den Fugen zu geraten. Die hemmungslose Ausbeutung von Ressourcen und Kräften, die ignorante Unterordnung unter das Diktat der Gewinnmaximierung und skrupelloses Machtstreben haben die Kluft zwischen den Bevölkerungsschichten und den Völkern derart vergrößert, dass ein Kollaps apokalyptischen Ausmaßes in Sichtweite rückt. Kann ein Künstler unter dieser Voraussetzung noch einfach nur schöne Bilder malen? Gilt es nicht gerade jetzt - wie es im Forum schon mal formuliert wurde - den Menschen den Spiegel vorzuhalten? Machen wir uns nicht mitschuldig, wenn wir die Entwicklung - wenn wir sie denn nun so sehen - mit schönen, bunten Farben übertünschen? Vielleicht ist die Zeit nicht immer gut für "schöne" Bilder!




A.M.C. Latzke - 26.12.2006 um 01:11 Uhr

Es ist sicherlich eine fragwürdige Entwicklung, die wir zur Zeit beschreiten und es ist auch sicherlich richtig, darauf mit Hilfe der Kunst hinzuweisen und eine solche Entwicklung zu kritisieren. Aber es ist ebenso die Pflicht der Kunst, die schönen und guten Seiten des irdischen Daseins darzustellen, um zu erinnern, welche Schätze der Natur und dem Menschen innewohnen. Daraus kann man Mut und Kraft schöpfen, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Schöne, bunte Farben als Übertünschung der Realität abzutun, wäre zu profan.



Fluuu - 26.12.2006 um 22:22 Uhr

Hallo A.M.C. Latzke,

schön mal wieder etwas von Dir zu lesen, wo warst Du so lange wärend ich hier die Stellung hielt? Hatte im Forum schwere Zeiten von völliger Flaute bis zu agressiven Sprüche war alles dabei. Nun aber zur Gegenwart. Sicher sind die Zeiten torbulent aber sind sie es nicht immer schon gewesen für die jeweiligen Zeitgenossen? Ich finde Panik- und Skandalmache absolut übertrieben angesichts der Gegenwart, bin davon überzeugt, dass frühere Zeiten um ein vielfaches schlechter und menschenunwürdiger waren
als es heute der Fall ist. Natürlich gibt es immer Probleme
und Schwierigkeiten und auf die aufmerksam und sie sichtbar zu machen ist mit Sicherheit eine Aufgabe des Künstler, auf jeden Fall mehr wie schöne Blumen malen, jedoch sollte dieser Künstler nicht darin verfallen nur noch Schreckensszenarien dar zu stellen.
Das sehe ich auch so, es geht genauso darum Mut zu machen und die positven Dinge eindeutig erkennbar zu gestalten als ein Teil unserer Zeit. Wir leben ja weiter, so oder so, mit Skandal und Panik auf jeden Fall nicht besser als mit Besonnenheit, Ausgeglichenheit und einem Geist für Realität. Ja, die Schätze liegen in uns, in unseren Fähigkeiten z.B. dem Einsätzen der Sinne, um die Umwelt wahrnehmen zu können, zu gestalten, zu erschaffen und selbst ein Teil des Ganzen zu sein...

gruß fluuu




A.M.C. Latzke - 27.12.2006 um 01:26 Uhr

Hi Fluuu,
ich bin Bildhauer und Maler aber kein Dichter. Da ich nicht unbedingt von trocken Brot und Wasser leben möchte, auch wenn es kurzfristig gesund sein sollte, hatte ich keine Zeit, mich dem Forum zu widmen. Jetzt, in der weihnachtlichen Ruhephase schaue ich allerdings gerne nach, was so gelaufen ist.

Zitat:

Wir leben ja weiter, so oder so,

Das mag ich bezweifeln. Selbst wenn wir die Weiterentwicklung unserer momentanen Spassgesellschaft, die nur nach dem Lustprinzip lebt und auf die Welt und deren Mitbewohner keine Rücksicht nimmt, überleben sollten, so wäre es höchstwahrscheinlich kein leben mehr, sondern ein vegetieren. Wir müssen alle hart daran arbeiten, dass wir noch die Kurve kriegen. Die Entwicklung der letzten Jahre ängstet mich und wenn nicht bald ein kollektiver Aufschrei die Welt wachrüttelt, kann es schneller zappenduster sein als uns lieb ist. Panik- und Skandalmache finde ich auch nicht gut, habe sie aber auch glücklicherweise in diesem Forum noch nicht entdeckt.




maler-hans - 28.12.2006 um 23:17 Uhr

Zitat:

Diese Nachricht wurde von mezzo4te um 00:27:47 am 26.12.2006 editiert

Das Jahr neigt sich dem Ende zu - Zeit für Rück- und Vorwärtsblicke. Ein Gruselkabinett! Unsere Gesellschaft droht aus den Fugen zu geraten. ... Machen wir uns nicht mitschuldig, wenn wir die Entwicklung - wenn wir sie denn nun so sehen - mit schönen, bunten Farben übertünschen? Vielleicht ist die Zeit nicht immer gut für "schöne" Bilder!

Erstens, mezzo, ist die Welt längst aus den Fugen, da kann von Drohung kaum noch die Rede sein. Und zweitens, um mit Luther zu sprechen, ist genau das der rechte Zeitpunkt, noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen. Was ja nicht bedeutet, dass man nichts anderes tun kann, immerhin.




Ralph - 21.01.2007 um 11:49 Uhr

Man kann auch mit seiner Kunst protestieren und so die breite Masse aufrütteln. Jetzt stellt sich mir aber die Frage, ob es die breite Masse überhaupt möchte.

Ralph




reliwette - 25.01.2007 um 13:57 Uhr

Diese Nachricht wurde von reliwette um 13:59:31 am 25.01.2007 editiert

Ein gut funktionierendes Forum mit (leider) sich wiederholt darstellenden Protagonisten. Das ist keine Kritik! Andere Foren (z.B. meines) läuft viel schlechter. Die Themen, die von Euch angeboten werden, sind interessant. Künstler unter sich! Das ist auch wichtig! Die Frage der "äußeren" und "inneren" Ästhetik - ein ganz brisantes Thema unserer Zeit!.! Muss es nicht heißen: "Ich habe eine Botschaft?" Wen soll diese Botschaft erreichen?
"Viele Menschen reden mit einander, ohne etwas zu sagen...."
eine Metapher! Aber wenn keine wesentlich neuen Aspekte eingebracht werden (Ihr kennt Euch mittlerweile in- und auswendig) , tritt jedes "Forum auf der Stelle".
Dabei habt ihr doch die Möglichkeit, euch gegenseitig Mut zu machen. Auch Kunstschaffende brauchen das WIR- Gefühl in der Gruppe - sonst droht der Elfenbeinturm!
Gerade Kunstschaffemde ( da beziehe ich die Poesie-Gewaltigen mit ein) sind mehrheitlich überaus sozial befähigte Individuen, denen es weder an Wahrnehmungsgabe mangelt noch an sozialer Befähigung (soziale Intelligenz).
Wahrheit? Lüge? Vielleicht ersetzen wir diese Synonyme durch "subjektive Erkenntnisse", wobei Erkenntnisse eigentlich ehrlich sein sollten, einerlei ob sie objektiv richtig oder falsch sind? Eine Lüge setzt nämlich voraus, dass Dinge absichtlich falsch dargestellt werden...
Wie komme ich darauf? In einem anderen Forum wurde dieser Punkt kontrovers diskutiert!
Er hängt aber unmittelbar mit dem Thema zusammen:
"Keine Zeit für schöne Bilder erstellen".
Die Frage ist doch zu klären, ob ich "schöne Bilder" male oder "schöne Skulpturen" fertige, weil ich aus Erfahrung weiß, dass sie sich besser verkaufen lassen oder ob ich wirklich der Überzeugung bin, einem "schönen" Weltbild als Ideal zuzuarbeiten...
(Idealverkörperung durch Malerei und Bildhauerei des III. Reiches oder des "Arbeiter- und Bauernstaates" der ehemaligen DDR - als Beispiel).
Schade, sehr schade, wenn Botschaften der Kunst- und Literaturschaffenden nicht die breite Masse erreichen, sondern posthum als "Klassiker" in den regalen der Archive landen - oder eben in den "Sand gesetzt" wurden.
Eine Zeitepoche zu analysieren bedeutet, Spuren der Erkenntnisse und Zusammenhänge zu hinterlassen.
Eine neue Menschheitsidee zu kreieren bedeutet, Impulse zu setzen - einerlei ob sie von den Menschen mehrheitlich wahrgenommen werden oder nicht. Denn darauf hat der einzelne Kunstschaffende leider keinen Einfluss...

Herzliche Grüße!

Hartmut T.R.




Fluuu - 29.01.2007 um 12:12 Uhr

...das ist alles schön und gut aber das Forum ist nur ein
kleiner Bereich der Darstellung, hauptsächlich geht es doch
bei xarto.com um die selbst angelegte Galerie und die
Darstellung der Werke und ein wenig der Person...

gruß fluuu




maler-hans - 31.01.2007 um 23:48 Uhr

Zitat:

Man kann auch mit seiner Kunst protestieren und so die breite Masse aufrütteln. Jetzt stellt sich mir aber die Frage, ob es die breite Masse überhaupt möchte.

Ralph

... und ob es die "breite Masse" überhaupt gibt?




Fluuu - 02.02.2007 um 15:23 Uhr

Eine "Masse" gibt es mit Sicherheit, eine masse Menschen,
viele Millionen und die meisten halten sich an die Vorgaben
die per Gesetz, per Massenmedien, per Werbung verkündet
werden, sonst währe das System schon zusammengebrochen.
Ob die Masse nun in der Höhe, Breite oder Quere zu
sehen ist, ist jedem individuell überlassen.

gruß fluuu




Galerie Seeger - 03.02.2007 um 19:21 Uhr

Zeit für schöne Bilder!

Jeder sollte sich immer die Zeit nehmen für schöne Bilder, doch ist es nicht viel wichtiger erst einmal zu sehen was es an schlechten (schrecklichen) Bildern auf dieser egoistischen Erde gibt.

Wer sich anmaßt über das Schrecken der Milliarden gequälten Seelen hinweg zu malen und nicht zu erheben seine Stimme, der ist in meinen Augen nicht besser als der KZ Arzt der die Anordnung zu Massenversuche gegeben hat.

Wer es zulässt, wenn auch nur durch sein schweigen, das die Verantwortlichen im dunkel Ihrer Macht weiter machen mit der Qual an den Seelen der Unschuld der ist genauso verachtenswert wie der Täter selber.

Und wer meint er könne die Schuld von sich weisen, der Irrt, denn seine Seele wird weiter und weiter und immer weiter die ewige Reise durchlaufen. Die Hölle ist nicht der warme Ort, vielmehr ist es die rastlose Suche einer Seele in Einsamkeit und Isolation getrennt von der SeelenGemeinschaft zu existieren. Wer dieses gerne möchte, und weiter Spielt die Gesellschaftslüge der soll nicht angekrochen kommen wenn es so weit ist und sagen er habe es nicht gewusst.
Doch wer beginnt die geschundenen Seelen zu befreien, der wir schon in diesem Leben erfahren was es bedeutet den Frieden und das Glück im Gesicht des anderen zu sehen und die Wärme zu spüren die aus dem Herzen der Zufriedenheit sich ergießt über die Seele des Erretters.

Die Zeit für schöne Bilder muss man sich verdienen, schlechte Bilder kommen von allein!


Schöne Grüße von
http://www.kunstgalerei-seeger.de




christoph - 03.02.2007 um 19:53 Uhr

Ich denke wie auch in anderen Kunstrichtungen, Musik, Literatur gibt es in der Malerei verschiedene Künstle. Die einen Malen zur Erbauung von anderen, um einfach schönes und angenehmes zu zeigen. Es gibt aber auch viele die sich kritisch mit den ganzen Problem auseinandersetzen und dieses auch darstellen.
Das ganze Horrorzenario wird schon zur genüge inden Medien gezeigt und man wird regelrecht davon erschlagen. Es gibt viele Mahner und Persone die auf die Probleme aufmerksam machen.
Aber als Ausgleich finde ich ist es auch notwendig den schönen Künsten nachzugehen, um wieder einen freien Kopf für wesentliche Dinge zu bekommen.
Vile Grüße Christoph




maler-hans - 03.02.2007 um 23:15 Uhr

Jawohl, Peter und Christoph,

und dazu kommt noch, dass die Schönheit auch von Bildern immer auch im Auge des Betrachters liegt.

Zudem ist ja keineswegs gesagt, dass ein schönes Bild keine "Botschaft" übermitteln könnte – vielleicht sogar besonders gut, weil viele Menschen gern hinschauen.
.




Fluuu - 07.02.2007 um 17:22 Uhr

Bei dem Thema schöne Bilder fällt mit ein wie subjektiv ´schön´ doch ist. Für mich sind Bilder die Morbidität und Vergänglichkeit in einer harmonischen, ausgeglichenen Weise darstellen schön.

@christoph, in den Medien wird der Skandal des Todes dargestellt aber nur ganz selten wie man damit umgeht.

@hans, nur weil viele schauen, heißt es noch nicht, dass es eine gute Botschaft hat

gruß fluuu




maler-hans - 08.02.2007 um 19:30 Uhr

@ fluuu
Das hatte ich auch nicht behauptet, aber wer eine Botschaft weitergeben möchte, wird sie ja wohl für gut oder richtig halten, nicht wahr, und sich deshalb wünschen, dass viele hören/schauen. Übrigens wird in den Medien der "Skandal des Todes" nicht etwa "dargestellt", sondern meist in einer Weise genutzt, benutzt, die ihrerseits skandalös ist.




Fluuu - 10.02.2007 um 12:36 Uhr

Wie gesagt "schöne Bilder" sind für mich die die das
Problematische im Leben zeigen und gleichzeitig
Hoffnung vermitteln einen Weg zu finden damit
umzugehen.

Natürlich wird derjenige der eine Botschaft weitergeben
möchte, sie für gut und richting halten, bei einem Künstler
trifft das hoffentlich auch zu aber bei den Medien, mit den
Nachrichten, bin ich mir da nicht so sicher. Da geht es doch
oft in erster Linie um Machterhaltung und -demonstration.
Da werden Bilder benutzt, manipuliert und Botschaften so
dargestellt, dass sie die Interessen dessen vertreten der
die Macht inne hat, der zahlt und über Gelder verfügt.

Meine Botschaft wird in der Zeitung, z.B. bei einer
Vernissage, nur dann abgedruckt, wenn ich mich darum
gekümmert habe und meine Macht den Engagements
eingesetzt habe oder eine befreundete Journalistin
beauftrage.

gruß fluuu




maler-hans - 10.02.2007 um 23:28 Uhr

Das ist schon richtig, Fluu und unterscheidet die Nachricht (ob sie den Namen nun verdient oder nicht) von der Botschaft. Und dass man sich kümmern muss, wenn man sich und seine Botschaft halbwegs richtig wiederfinden will, muss man sich natürlich kümmern – das muss man auch im persönlichen Dialog, oder?



Fluuu - 22.02.2007 um 11:40 Uhr

Ja, als kleines ohnmächtiges Individium gegenüber der
großen Gemeinschaft muss man sich kümmern um das
Selbst wenn man eine Botschaft hat, auch bei den Medien.
Ist man dagegen populär oder mächtig kümmern sich die
Medien von selbst um einen um reißerischen Stoff zu haben
den man den zahlenden Konsumenten vorsetzen kann.
So hebt es sich vielleicht wieder auf, nicht gesehen werden
obwohl man eine Botschaft hat ist unangenehm aber
stendig belauert werden und hervorgehoben werden ist
vielleicht auch unangenehm.
Das hat jetzt garnichts mit dem Thema ´schöne Bilder´ zu
tun oder?

gruß fluuu




christoph - 07.03.2007 um 14:12 Uhr

@ fluu du sagst in den Medien wird der Skandal des Todes dargestellt. Das ist richtig, aber früher war ich Krankenpfleger auf einer Intensivstation und bin mehr als einmal Menschen begegnet die mit dem Tod ringen. Der Tod ist etwas natürliches. wir sterben von Geburt an. Nur keiner oder wenige setzen sich mit dem Tod auseinander. Deshalb kommt er so überraschend.
In den Medien wird es gezeigt, weil die Menschen gierig nach Aktion sind, es betrifft sie ja nicht selbst.
viele Grüße Christoph




maler-hans - 08.03.2007 um 23:45 Uhr

Richtig, Christoph, und die Gier der Zuschauenden ist mindestens ebenso widerlich und verwerflich wie das bloße Quoten-statt-Qaulität-Muster vor allem des Fernsehens, das durch diese Gier ausgellöst wird und sie verstärkt.
Teufelskreis.




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