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-- Plauderecke
--- Verweigerung über Alles ?!
Parthum Tom - 02.11.2006 um 21:35 Uhr
Kann man den Menschen, der nur seinem Schaffen
verfallen ist, eine Verweigerungshaltung unterstellen ?
Weil er seine Zeit in Dinge / Visionen investiert, die in
erster Linie seiner selbst dienlich sind.
( Direkt oder indirekt )
Also sich nicht in den Dienst allgemeiner Interessen stellt,
aber dennoch immer davon abhängig ist.
Ist er dann einer Sucht verfallen ?
Special thanks !
mezzo4te - 02.11.2006 um 23:48 Uhr
Tja Tom, dass sind nun Fragen, die die Diskussion im Thread
"Kunst ist Egoismus" berühren, und die sich
sicherlich nicht pauschal beantworten lassen. Ein Mensch
kann ja durch sein fanatisches, ichbezogenes Schaffen Werke
vollbringen, die anderen Menschen viel geben. Aber das wird
er wohl schwerlich selbst beurteilen können. Es erweist sich
eben - wie im vorgenannten Thread schon festgestellt - erst
durch den sozialen Kontext als negativ oder positiv. Ich
finde es in jedem Fall problematisch, sich der sozialen
Umgebung zu entziehen. Keiner kann ohne diese Bindungen
überleben, jeder ist immer auf andere angewiesen - wie du ja
auch sagst. Insofern birgt die Verweigerung, etwas zu geben,
immer die Gefahr eines Defizits auf Kosten anderer. Es ist
rücksichtslos!
maler-hans - 04.11.2006 um 23:22 Uhr
Sehr pointiert, Mezzo, und im Grundsatz sicher richtig. Aber
die Frage berührt auch den Thread, ob Künstler
"psychopathologisch" sind.
Fanatismus ist aus meiner Sicht immer etwas sehr
Bedenkliches, oft Gefährliches – manchmal nur für den
Fanatiker, meist für viele andere.
Das Schaffen von Kunst kann aber auch zu einer Art von Sucht
werden, mit der ein Künstler allein so wenig fertig werden
kann wie ein Drogenabhängiger oder Alkoholiker. Doch selbst
dann wird er immer im Kontext mit seiner Umgebung arbeiten,
möglicherweise auch nur aus der Erinnerung heraus.
So gesehen ist es wohl selten eine (bewusste)
Verweigerungshaltung. Dann allerdings wäre es durchaus
"rücksichtslos", wie Mezzo sagt, Aber ich glaube,
dann entsteht auch keine wirkliche Kunst mehr, denn aus
Verweigerung entsteht kein Schaffen, das ja in aller Regel
ein Sich-Öffen ist.
Mara - 05.11.2006 um 04:40 Uhr
Ein Mensch der nur seinem Schaffen verfallen ist?
Was soll das sein, ein Workoholic?
Diese Diskussion ist so theoretisch.
Es wäre interessant auch mal einige konkrete Beispiele mit
Begründung zu sehen.
Was bedeutet es in eurer eigenen Kunst und wie äussert es
sich dort bzw wie nicht?
Ist es an der art der Bilder zu erkennen?
Ich wurde auch schon von verschiedenen Leuten, meistens
Lebenspartnern,
damit konfrontiert, dass meine Malerei Zeitverschwendung
ist, weil sie kein Geld bringt.
Es ist sehr unangenehm, wenn etwas, das mir so wichtig ist
wie das Malen,
mit Schuldgefühlen behaftet wird, weil es nicht "für
andere" da ist.
Wer ist denn nun so ein "rücksichtsloser
Künstler"?
Gibt es den überhaupt in der Wirklichkeit und welchen
Schaden fügt er damit
ganz konkret anderen Menschen zu?
Und sind dann auch Menschen, die anderen nicht-nützlichen
Hobbies oder
Berufen nachgehen solche "egoistischen
Verweigerer"?
Ich bin nun in der glücklichen Situation, dass mein
jetziger Partner meine Malleidenschaft unterstützt und die
entstehenden Bilder als eine Bereicherung ansieht.
Das war aber nicht immer so.
mezzo4te - 05.11.2006 um 15:54 Uhr
Diese Nachricht wurde von mezzo4te um 16:04:29 am 05.11.2006
editiert
Zitat:
Ein Mensch der nur seinem Schaffen verfallen ist?
Was soll das sein, ein Workoholic?
Diese Diskussion ist so theoretisch.
Es wäre interessant auch mal einige konkrete Beispiele mit
Begründung zu sehen.
Ich denke, man kann sich auch mal theoretisch mit etwas
auseinandersetzen. Worüber wir hier reden, ist ein Modell,
das Tom in seinem Eingangsthread vorgestellt hat. Ob er
dabei einen konkreten Fall im Auge hat oder nicht, ist
eigentlich egal.
Zitat:
Und sind dann auch Menschen, die anderen nicht-nützlichen
Hobbies oder
Berufen nachgehen solche "egoistischen
Verweigerer"?
Ich glaube nicht, dass es hier darum geht, ob man
"nicht-nützlichen Hobbies" nachgeht oder nicht. Es
geht um das ausschließliche Nachgehen ohne Berücksichtigung des sozialen Umfeldes - so
jedenfalls habe ich Tom verstanden.
maler-hans - 05.11.2006 um 23:20 Uhr
Zitat:
Mara sagt:
Es ist sehr unangenehm, wenn etwas, das mir so wichtig ist
wie das Malen,
mit Schuldgefühlen behaftet wird, weil es nicht "für
andere" da ist.
Schuldgefühle sind da natürlich ganz fehl am Platze, denn
Kunst bringt vielen anderen sehr viel, wenn auch nicht in
Heller und Pfennig. Allerdings ist das immer schon für viele
das Maß der Dinge gewesen und heute in ganz unverhüllter
Weise; leider.
Ich habe schon versucht, es zu sagen: künstlerisches
Arbeiten ist immer ein "sozialer" Vorgang weit
über "Selbstbefriedigung" hinaus. Wer das nicht
erkennt, ist selbst arm dran, meine ich, und weiß nicht, was
ihm entgeht (ich meine die Nörgler, bei denen alles
"etwas bringen" muss, nämlich Geld).
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