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-- Malerei
--- Dieter Raedel,OHORN(Sa.), Gendarmenmarkt
Dieter_Raedel - 08.07.2006 um 16:47 Uhr
Als ich den Ausstellungsreigen in der neuen Aufnahme vom
KRANKENHAUS PRENZLAUER BERG in der FRÖBELSTRASSE eröffnen
sollte,brauchte ich 1998 noch ein paar schlagkräftige
Motive.So klemmte ich mir meine Staffelei samt Klappstuhl
unterm Arm und begab mich mit Malzeug,Cola und Salamibroten
auf den BERLINER GENDARMENMARKT.
Heiß war´s und vor lauter Touris sah man die Kirchen
nicht.Links Schatten,rechts Sonne.Ich entschied mich für
Schatten.Der Platz ist groß,sehr groß sogar.Das muss er
auch,damit die Touris sich nicht auf Schritt und Tritt
anrempeln.Nur deshalb ist der GENDARMENMARKT so
ausladend,obwohl das nicht bei WIKIPEDIA steht.
Und weil DER GENDARMENMARKT so riesige Ausmaße hat,ist er
auch in der Lage,viele Namen zu verkraften.Ja,er schluckte
schon einige in sich hinein,ohne dabei draufzugehn.Als
ersten Happen schluckte er den Namen LINDENMARKT und nach
einem ordentlichen Rülpser gab´s gleich Nachschlag:
NEUMARKT.Da wunderte sich der Platz,weshalb ihm so viel
Aufmerksamkeit geschenkt wurde.Damals war die Gegend
unansehnlich und man brauchte in Berlin einen
repräsentativen Platz .FRIEDRICH II. verbrachte ruhelose
Nächte und wurde von seinen staatsmännischen Aufgaben
gewaltig abgelenkt,weil dieser Platz nicht das hergab,was er
hergeben könnte.Der Platz braucht einen Frack! In seinen
verschlissenen Hosen kann er keinen Staat machen.Der Platz
wird aufgemotzt,die Welt soll das Staunen lernen!
Da waren 15.000 Hugenotten in BERLIN UND BRANDENBURG und die
wollten eine eigene Kirche - so wurde auf dem Platz DIE
FRANZÖSISCHE KIRCHE gebaut.Verantwortlich zeichnete LOUIS
COYART. Gegenüber war DIE DEUTSCHE KIRCHE. Friedrich II.
holte sich eine Prise Schnupftabak,hüstelte dreimal kurz
militärisch und ließ die gesamten Häuser der Gegend dem
Erdboden gleichmachen.Ihre Nachfolger waren dreistöckig und
prunkvoll und und bildeten ein Ensemble nach dem Geschmack
des Regenten.
Nun starrte FRIEDRICH II. zur Mitte des Platzes und
bewunderte die absonderlich anmutenden Bauten der HAUPTWACHE
vom REITERREGIMENT "GENS D´ARMES".
Pferdestallgeruch als Staatspräsenz mitten in Berlin!Und das
bis 1782.Nun reicht´s!Die Pferdeställe wurden abgerissen und
auf dem Areal enstand das attracktivere KOMÖDIENHAUS.Der
Platz erhielt zwischendurch wieder einmal einen neuen Namen:
FRIEDRICHSTÄDTER PLATZ.Mal sehn,was da noch kommen wird.
Wenn man keine eigenen Ideen hat,muss man irgendetwas
nachbauen,wenigstens so ähnlich.Und so wurde nach dem
Vorbild der beiden MARIENKIRCHEN auf der PIAZZA DEL POPOLO
in ROM kräftig zugelangt und die architektonische
Fassadenkomik von Berlin erlebte ihre Geburtsstunde.Vor
beide Kirchen kommt ein funktionsloser Turm mit Säulen,ohne
dass es eine innere Verbindung zu den Kirchen
gibt.Architektonisches Renommee im Stile eines
Kasperle-Theaters.Viva la renommage!Der Regent war´s
zufrieden.Ab sofort hieß DER FRIEDRICHSTÄDTER PLATZ,an das
REITERREGIMENT "GENS D´ARMES"angelehnt ,
GENDARMENMARKT.
Mit dem Bau der Türme wurde CARL VON GONTARD,bedeutendster
Architekt des spätfriderizianischen ROKOKO,als Königlicher
Baudirektor beauftragt.Die Arbeiten gingen auf der Berliner
Bühne des schönen Scheins zügig voran und FRIEDRICH II.rieb
sich die Hände,ein Stück Italien nach Berlin geklaut zu
haben.Es war ein Aufblitzen seiner schlitzohrigen
Genialität.
Zu dieser Zeit schlummerten die wohlhabenden Bürger des
neuen Häuserensembles am Wechselnamensplatz in den schönsten
Träumen,nicht ahnend,dass sich das im nächsten Augenblick
gewaltig ändern könnte.Warum auch,alles pompös! Mitten in
der Nacht wurden die Berliner von einem unbeschreiblichen
Donner aus ihren friedlichen Träumen gerissen.Mit einer
Wucht erzitterten die Häuser und eine riesige Staubwolke
kroch in die Zimmer am Renommierplatz.Berlin hatte eine neue
Sensation!Der Kuppelturm,den man an DIE DEUTSCHE KIRCHE
geklatscht hatte,war desaströs zusammengestürzt!Schaulustige
drängten sich wochenlang,um die Einzigartigkeit des Berliner
Ereignisses zu bestaunen und auszukosten.Das war im Juli
1782. FRIEDRICH II. nahm´s gelassen hin und befahl
Neuaufbau.
Die Maler jener Zeit hatten ein neues Motiv und postierten
sich um die Ruine.Unter den Künstlern stand ein 17 jähriger
Junge.Und dieser zeichnete was das Zeug hielt! Es war der
später berühmte JOHANN GOTTFRIED SCHADOW.
Als das gekuppelte Silo nicht mehr erneut
zusammenkrachte,ließ das öffentliche Interesse nach und man
überlegte,wie man die beiden Betonhülsen besser an den Mann
bringen könnte. TURM AN DER DEUTSCHEN KIRCHE, nee,klingt
stupide. Und der Name TURM AN DER FRANZÖSISCHEN KIRCHE ist
nichtssagend. Wir brauchen einen Namen,den man in die
Berliner Herrlichkeit reinbügeln kann. Stellen Sie sich mal
vor,wenn nman die Wahrheit beim Namen nennen würde, so
ungefähr: Deutsche Betonhülse auf dem GENDARMENMARKT
oder Französisches Silo auf dem GENDARMENMARKT. Wer denkt
beim Namen DEUTSCHE BETONHÜLSE noch an Italien! Sicher
sehr wenige. Man könnte es mit ITALIENISCHE BETONHÜLSE
auf DEUTSCHEM GENDARMENMARKT probieren. Aber das geht
leider nicht,weil die Italiener wieder einmal sauer wären.
Die Neue Berliner Zuckertgussarchitektur erblühte am
Fließband. Unentwegt stellte man Säulen und Fassadenfiguren
her,und zwar immer doppelt,um den beiden Betonhülsen
BERLINER CHARME einzuhauchen. Als DIE KOMÖDIE rechts und
links des KOMÖDIENHAUSES ihren Gipfel erreichte,staunte
man,wie prunkvoll und prächtig die GONTARD´SCHEN TÜRME
sich nach der Garnierung ausmachten. Wer´s nicht weiß,könnte
meinen,es handle sich um zu klein geratene Dome. Und wenn
ein Turm wie ein Dom aussieht,dann ist er auch einer!
Basta! So staunte Berlin nicht schlecht,dass zum BERLINER
DOM doch zwei Fehlgeburten in die Berliner Namenslandschaft
kamen. Wer in der Welt kann schon behaupten,zwei garnierte
Betonhülsen als Dome zu verbraten? Seht ihr,das zeigt wieder
einmal klar die Einzigartigkeit von Berlin an. Und
beobachtet man die Touristen,so ist es ein Heer von
Staunenden: Berlin hat d r e i Dome !
Zur glorreichen DDR-Zeit musste der GENDARMENMARKT nicht
lange auf eine Namensänderung warten. Man taufte ihn mit
sozialistischem Weihwasser zum PLATZ DER AKADEMIE. Nach
1989 spachtelte man den Akademie-Namen ab und der Platz
durfte sich wieder GENDARMENMARKT nennen.
Während meiner Zeit auf dem GENDARMENMARKT, es waren fast
vier Wochen,entstanden die Gemälde "DER FRANZÖSISCHE
DOM", danach das Leinwandgemälde "DER DEUTSCHE
DOM" sowie
"SCHILLER-DENKMAL,GENDARMENMARKT". Das ehemalige
SCHAUSPIELHAUS, jetzt KONZERTHAUS BERLIN, habe ich
ebenfalls gemalt. Leider ist das Gemäldefoto von schlechter
Qualität. Was soll´s,irgendwann setze ich mich auf diesen
herrlichen Platz und male DAS KONZERTHAUS noch einmal. Die
Geschichte KONZERTHAUS BERLIN könnte es vielleicht auch
noch geben. Vor allen Dingen,weil ein ehemaliger
Klassenkamerad viele Jahre DIE ORGEL vom KONZERTHAUS BERLIN
betreute. Sein Name: EBERHARD MAGER , OHORN.
DER BERLINER GENDARMENMARKT gilt als einer der schönsten
Plätze in Europa.
Dieter Raedel
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Arne Baganz