- xarto.com
-- Künstler
--- Manifeste

Arne - 27.10.2005 um 17:50 Uhr

Frühere Künstlergenerationen waren sehr eifrig darin, ihrem Schaffen durch das Erstellen eines Manifestes eine theoretische Grundlage zu geben, um ihre Ziele und die Mittel, mit denen sie diese zu erreichen trachteten, offenzulegen. Erinnert sei, um nur einige wenige zu nennen, an das Dadaistische, Surrealistische und Futuristische Manifest.

Wie ist es mit dem Künstler von heute: Möchte er sein Schaffen noch auf eine solche herkömmliche Weise rechtfertigen, ihm eine für die Öffentlichkeit einseh- und nachvollziehbare Leitlinie geben? Was ist der theoretische Hintergrund eines Menschen, der heute als Künstler tätig ist? (Natürlich kommt man bei einer solchen Fragestellung wieder zu dem Punkt, an dem man darüber diskutieren wird, was ein Künstler ist und was nicht; dieser Punkt sollte hier jedoch nach Möglichkeit ausgespart werden, da er nur dazu führt, dass verschiedene durch Erfahrung gewonnene Sichtweisen, die sich selbst für absolute Erkenntnisse halten, miteinander ringen, ohne zu einem Ergebnis kommen zu können).




T.H. - 30.10.2005 um 08:42 Uhr

Wie entstand (oder entsteht) ein solches Künstlermanifest? Sollte da nicht eine Art Gemeinschaft vorhanden sein? Und widerspräche nicht jede Form von "Gemeinschaft" dem (heutigen) Drang des Künstlers nach Individualität = Vereinzelung und Einzigartigkeit? Und dann sind ja viele Manifeste als gegen etwas formuliert; vielleicht kann "man" ja heute keinen Gegner mehr ausmachen?



maler-hans - 16.08.2006 um 23:43 Uhr

Richtig, T.H., ich denke auch, zu einem Manifest gehört eine bestimmte Schule, und solche Gruppen oder Schulen sind in der Vergangenheit nicht immer zimperlich mit "Abweichlern" umgegangen (Surrealisten, Dada und mehr). Manifeste haben für mich immer den Geruch von Ab- und Ausgrenzung, vom Anspruch alleinigen Wahrheitsbesitzes – mich graust da etwas.

Andererseits halte ich es durchaus für sinnvoll, sich als Künstler zu seinem eigenen Schaffen, woher und wohin, Gedanken zu machen, diese zu notieren, zu entwickeln und gegebenenfalls auch zu veröffentlichen. Es hilft vielen, die Kunst mögen, aber nicht immer verstehen können, sich ihr zu nähern.




PeterKalb - 20.08.2006 um 17:44 Uhr

Aus meinem persönlichen Blickwinkel heraus, gibt es bei vielen Künstlern (auch bei mir) einen Grundgedanken, dem er folgt und den er der Öffentlichkeit zugänglich macht. Wobei ich ein Problem habe mit dem Wort "rechtfertigen". Mit diesem Grundgedanken rechtfertige ich nicht mein Schaffen, sondern versuche den Betrachter meiner Werke, meine Wahrnehmung der Welt nahezubringen, damit er sie evtl. auch einmal aus dieser Perspektive ansehen kann, ohne ihr folgen zu müssen.



maler-hans - 20.08.2006 um 21:08 Uhr

Genau so, Peter, das beschreibt gut den Wandel in der Selbstwahrnehmung vieler Künstler und in der Wahrnehmung von Kunst gegenüber der "Manifeste"-Zeit.

Kunst muss nicht mehr gerechtfertigt werden, Manifeste sind daher überflüssig, nicht jedoch jene "Grundgedanken", von denen Du sprichst.




Fluuu - 21.08.2006 um 13:11 Uhr

Diese Nachricht wurde von Fluuu um 13:12:36 am 21.08.2006 editiert

Nun, gegen eine Künstlergruppe ist ansich nichts ein zu wenden, sie wahren in der Geschichte schon oft erfolgreich. So eine Gruppe hat gewisse Vorteile gegenüber dem Einzelkämpfer und ich habe es auch schon versucht hier in der Stadt in der ich lebe so eine Gruppe zu eröffnen. Es fehlte an tatkräftigen Mitstreitern und dann gab es noch andere Gründe warum ich es wieder abblasen musste.
Der Sozialkontakt mit gleichgesinnten Künstlern ist sicher schwierig aber nicht unmöglich und wenn es mal funktioniert dann ist er enorm bereichernd. Bei Gruppenausstellungen gibt es einen kleinen Vorgeschmack auf so eine Gruppe wärend der Organisation im Vorfeld. Sie zerstreut sich aber meist wieder wenn die Ausstellung beendet ist.
Ein Manifest für die digitale Kunst zusammen mit den digitalen Künstlern halte ich in unserer Zeit für sehr sinnvoll aber daran wird an anderen Stellen schon gearbeitet.

gruß fluuu




maler-hans - 24.08.2006 um 23:18 Uhr

Ja, Fluuu, für die digitale Kunst muss man sich noch feste einsetzen – aber ein "Manifest"? Das legt nach meinem Empfinden zu sehr fest, und zwar die Künstler. Wenn sich aber mehr digitale Künstler zum Thema äußern, durchaus auch als Gruppe, würde das vielleicht ein paar Menschen aufwecken. In diesem Sinne:

feste, Mani!




© 2002-2026 by Arne Baganz