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-- Plauderecke
--- Scheinkunst
Arne - 05.07.2005 um 15:55 Uhr
Zitat:
Bild und Unbild: Bild der Züge,
aber Bild der Seele nicht,
und die Wahrheit wird zur Lüge,
weil Berechnung aus ihr spricht.
Schein statt Wesen nimmt sie wichtig;
Punkt für Punkt und Strich an Strich,
alles Einzelne ist richtig,
aber nie vereint es sich.
Und so gibt sie statt Gestalten
allerhand Geberden nur,
die viel Studium enthalten,
aber Leben keine Spur.
Statt Natur zu offenbaren,
ist´s ein schulgerecht Verfahren,
Wahrheit nach dem A-B-C -
ach, ihr tut mir leid und weh!
(Richard Dehmel)
Fidéo - 06.07.2005 um 11:35 Uhr
Zitat:
Bild und Unbild:
Bild der Züge,
aber Bild der Seele nicht,
und die Wahrheit wird zur Lüge...
beschreibt im wesen eine materialistische sicht und verweist
auf ganzheitlichkeit,- hier natur genannt.
obwohl hier bilder gemeint sind, ist dieses problem generell
häufig. unter der voraussetzung/hinweis/bedachthahme auf
ganzheitlichkeit lebendiger dinge, bzw. auf den kontext,
aber interessant und zulässig, im sinne einer besonderen
herangehens/darstellungs-weise soweit kein schaden entsteht
(im tierversuch etwa ableugnung deren leidensfähigkeit,
usw.)
gruß, fidéo
Fluuu - 07.07.2005 um 19:17 Uhr
hä ??!
was hat das mit der Aussage des Gedichts zu tun fidéo?
*kopfschüttel*
Fidéo - 07.07.2005 um 19:55 Uhr
hallo Fluuu
Zitat:
hä ??!
was hat das mit der Aussage des Gedichts zu tun fidéo?
*kopfschüttel*
was ist Fluuu´s meinung nach die aussage des gedichts?
gruß, fidéo
Fluuu - 07.07.2005 um 21:54 Uhr
hi fidéo,
meine Meinung kommt noch, bin gerade beim Rechergieren
über Richard Dehmel, der mir bisher unbekannt war...
Fluuu - 20.07.2005 um 15:10 Uhr
Diese Nachricht wurde von Fluuu um 15:17:06 am 20.07.2005
editiert
Bin bei den Nachforschungen zu diesem Gedicht, was ich ja
immer gerne mache wenn etwas vorgesetzt ist, vor allem auf
ein sehr reges Literaturforum gestoßen bei dem weit mehr los
ist als hier ...
Eindeutig finde ich bei diesem Gedicht, der Titel sagt es ja
schon, eine Kritik an der Sache die als Kunst bezeichnet
wird, es aber nur so scheint als ob es eine währe. Mit
anderen Worten, eine oberflächlichen-Verblendung mit
Affekthascherei.
Dazu auch dieses Gedicht, inspiriert von einer schreibenden
Frau die dieses Thema auch mal betrachtet hat.
Zitat:
Die blaue Wand
Im Raum das Werk,
kalt,
nass
und doch so groß.
Wasser,
überall Wasser,
durch die Decke,
in die Lampe,
ein Strahl ergießt sich,
wie der gelbe von Peter Urin.
Der Künstler laut Hunger schreit,
nach Liebe und Geborgenheit,
gesehen will er werden,
zu Lebzeiten hier auf Erden.
Was für ein Spektakel,
die Gemüter kochen,
aber der Sinn des ganzen
hat sich tief verkrochen.
Die sensiblen Töne
man hört sie kaum,
der Abbruch,
ein Flüstern,
ein Hauchen
der Mensch in seinem Raum.
Der Künstler schreit schrill
und ohne Erbarmen,
sein Werk ist vollbracht,
seht die blaue Wand,
sie steht in voller Pracht.
Wer nun denkt die Kunst ist verwerflich,
der irrt,
sie ist etwas Gutes
für die menschliche Psyche,
nur für die Sinne sterblich
ist die Nicht-Kunst,
die blaue Wand,
so hart
und ohne bestand.
gruß fluuu
el_pintor - 22.07.2005 um 08:26 Uhr
Wer mag sich hinstellen und sagen das ist Kunst und das ist
Scheinkunst? Wer kann so arrogant und überheblich sein(und
wenn auch nur mit sich selbst) mit dem Finger zu zeigen und
zu sagen: DU scheinst nur Kunst zu machen... Und wer will
es Ihm verwehren damit materialistische Ziele zu verfolgen?
Ist es Kunst zu sagen dies kommt mir zwar aus der Seele aber
es interessiert keine Sau und somit setzt es Staub an, liegt
in irgendeiner Ecke und füllt meinen Magen nicht? Warum ist
der Künstler Künstler? Aus Berufung ? Und steckt da nicht
schon ein materialistischer Sinn dahinter? BERUFung...
wo hört Kunst auf und beginnt Scheinkunst...und was ist
verdammt noch mal "Scheinkunst"? ? ? ? ? ? ? ? ? ?
? ?
Gibt es denn dann auch eine Scheck-Kunst?
Oder eine Münz-Kunst
Aber mal abgesehen davon interpretiere ich das Gedicht so,
dass sich viel zu Viele in der Kunst viel zu Wichtig nehmen
und diesen überkanditelten und überintelektuellen
"LARRY" raushängen lassen und die dollsten
Interpretationen verfassen. Nicht Wahr fidéo 
Fluuu - 29.07.2005 um 19:14 Uhr
Diese Nachricht wurde von Fluuu um 19:19:59 am 29.07.2005
editiert
Zitat:
Wer mag sich hinstellen und sagen das ist Kunst und das ist
Scheinkunst?
Das Gefühl des Betrachters mit seinen individuellen
Erfahrungen
und Empfindungen.
Das Gedicht von Richard Dehmel drückt es ja deutlich aus
und das zweite auch. Es ist von Bild der Seele, Wahrheit
und Berechnung die Rede,
von Spektakel, Sinn und sensiblen Tönen.
Es gibt hier sicher sehr viele die sich intensiv mit den
Nöten,
eigenen Erfahrungen, Gesellschaftsproblemen und den
Schwirigkeiten des Menschseins auf der Erde
auseinandersetzten auf ihre ureigenste Art, natürlich auch
mit
der Schönheit des Lebens,
nur kommen sie nicht zu Wort, vielleicht auch weil die
Scheinkunst
am dominantesten ist.
(vielleicht sollte ich selber mal in mich gehen)...
gruß fluuu
Regina Herzog - 29.07.2005 um 23:55 Uhr
Eine interessante Frage: was ist Scheinkunst? Nachdem es
scheinbar unmöglich ist, Kunst zu definieren, fällt es uns
vielleicht leichter, diese Negation zu beschreiben? Ab wann
ist ein Künstler ein Scheinkünstler? Sind es wirklich die
marktschreierisch lauten, die schrillen und schrägen
Persönlichkeiten, die sich nur sonnen wollen, im Glanz des
Andersseins? Sie sind es sicher oft, aber es wäre zu
einfach, so pauschal vorzugehen. Aber haben wir nicht einen
untrüglichen Schiedsrichter in uns? Warnt uns nicht unser
Gefühl, wenn wir der hohlen Kunst begegnen? Ich meine, doch
! Es liegt nur an uns, diesem Gefühl auch zu trauen. Uns
nicht durch philosophische oder hochtrabende Erklärungen
verwirren und blenden zu lassen, sondern die Instinkte zu
pflegen und zu schärfen, den ungetrübten Blick zu bewahren.
Im Übrigen: in allen Bereichen des Lebens findet man die
Blender, die Aufschneider und Wichtigtuer - gehört das nicht
einfach dazu 
Galerie Seeger - 30.07.2005 um 19:41 Uhr
Die Seelenbefreiung
Ach wehr ich einmal nur ich selbst und würde mit den Wölfen
heulen.
Gruß PS.
http://www.kunstgalerie-seeger.de
Fidéo - 31.07.2005 um 18:45 Uhr
Zitat:
Ach wehr ich einmal nur ich selbst...
wir sind alle nicht wir selbst, das dauert noch
(buddhisten ev. ausgenommen)
Zitat:
Ich hoffe, ich konnte meine gespaltene Persönlichkeit gut
genug verstecken
naja, ja, ähh, ja, eh. aber wozu eigentlich?
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