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Galerie Seeger - 13.03.2005 um 12:28 Uhr

Diese Nachricht wurde von Galerie Seeger um 12:58:47 am 13.03.2005 editiert

Kunst, Ruhm & Posse


Wie viel Ruhm verträgt die Kunst.
Wann wird der Künstler zum Harlekin.
Wann wird die Kunst zur Posse.

Beispiel hin und Beispiel her, eins zu finden ist nicht schwer.
Doch scheltet nicht wer’s nicht versteht, im lieber aus dem Wege geht.

Gruß PS.





Arne - 29.04.2005 um 17:52 Uhr

Ich knüpfe hier einfach mal an:

Gekünstelte Künstler machen gekünstelte Kunst. Was tötet die Kunst? Wieviel Profilneurotik ist vonnöten, wieviel Echtheits- und Selbstverlust durch das Liebäugeln mit kommerziellen Interessen oder dem Rampenlicht? Wie mäßig darf ein Künstler als Handwerker sein, was will er denn überhaupt kommunizieren und verzichtet ein Künstler nicht gern darauf, Künstler genannt zu werden? Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Man sollte sie dennoch nicht leichtfertig ignorieren.




A.M.C. Latzke - 30.05.2005 um 01:30 Uhr

Diese Nachricht wurde von A.M.C. Latzke um 01:37:48 am 30.05.2005 editiert

Zitat
Wieviel Ruhm verträgt die Kunst.

Die Kunst verträgt unermäßlichen Ruhm; aber leider oft der Künstler nicht.

Zitat
Wann wird der Künstler zum Harlekin.

Ein Künstler macht sich selbst zum Harlekin. 1. wenn er krampfhaft versucht, sich in der Öffentlichkeit als Exot darzustellen (denn das Publikum wünscht dieses) und 2. wenn er seine Kunst den Vorstellungen eines Galeristen oder dem allgemeinen Zeitgeschmack anpasst.

Zitat
Wann wird die Kunst zur Posse.

Wenn der Künstler, der sie geschaffen hat, ein Harlekin ist.

A.M.C. Latzke




A.M.C. Latzke - 30.05.2005 um 08:57 Uhr

Es muß natürlich heissen:
Die Kunst verträgt unermeßlichen Ruhm.
A.M.C. Latzke




Arne - 31.05.2005 um 11:26 Uhr

Diese Nachricht wurde von Arne um 11:27:03 am 31.05.2005 editiert

Zitat:

Ein Künstler macht sich selbst zum Harlekin. 1. wenn er krampfhaft versucht, sich in der Öffentlichkeit als Exot darzustellen (denn das Publikum wünscht dieses)

Hallo A.M.C.,

wie würdest Du Salvador Dalí, der ja doch ein Paradebeispiel eines Exzentrikers war, dort einordnen wollen? Von ihm stammt auch das Zitat:

"Es gibt viele Narren, die so tun, als wären sie gescheit. Warum sollte ein Gescheiter nicht so tun dürfen, als wäre er ein Narr?"




A.M.C. Latzke - 31.05.2005 um 15:20 Uhr

Diese Nachricht wurde von A.M.C. Latzke um 15:27:37 am 31.05.2005 editiert

Zitat

"Es gibt viele Narren, die so tun, als wären sie gescheit. Warum sollte ein Gescheiter nicht so tun dürfen, als wäre er ein Narr?"
Diese Sichtweise finde ich in Ordnung und originell.
Allerdings besteht die Gefahr, wenn man sich zu sehr darauf einlässt, den Überblick, bzw. den Realitätssinn zu verlieren.
Dali kann man da übrigens sehr gut einordnen. Hat er es mit seinen Blanco-Unterschriften auf Druckpapiere nicht auf die Spitze getrieben und damit nicht zuletzt seinem eigenen Werk, seinen Sammlern und seinem Marktwert im Bereich der Druckgrafik geschadet? Eine schöne Posse, oder?
Ich denke, es gibt zwei Gründe, warum jemand in der Öffentlichkeit den Paradiesvogel miemt.
Man hat ein inneres Defizit oder mann macht es aus publicity. Bei Dali scheint es mir letzteres gewesen zu sein. Er hat gemerkt, wie das Publikum nach solchen "verrückten Künstlern" geradezu giert. Jedoch bin ich der Meinung, dass er sich im Laufe der Jahre derart hineinsteigerte, dass er es zum Schluß als Realität empfunden hat.

Wenn ich mit dieser Ausführung richtig liege, wäre Salvador Dali ein Harlekin gewesen - allerdings einer, der verdammt gut malen konnte.




Arne - 31.05.2005 um 17:30 Uhr

Diese Nachricht wurde von Arne um 17:31:25 am 31.05.2005 editiert

Ja, Dalí hat auch seine hässlichen Seiten, aber durch das Grandiose seiner Kunst ist man geneigt, darüber hinwegzuschauen. Wer spricht z.B. heute noch davon, dass er General Franco verehrt hat und ihm einst ein Telegramm schickte, in welchem er die Hinrichtung von vier Antifaschisten begrüßte und meinte, es sollten noch viel mehr solcher Leute getötet werden.

Auch wenn Künstler einen Drang zur Perfektion haben, sind sie wie alle anderen Menschen voller Fehler. Durch ihre Kunst gelingt es ihnen nur etwas leichter, sie hinter ihr zu verstecken.




A.M.C. Latzke - 02.06.2005 um 00:34 Uhr

Dalis Verehrung für Franco, den er eigentlich lieber als König statt eines Diktators gesehen hätte, hat ihn mir als Mensch immer unsympathisch erscheinen lassen. Auch sein Hang zu Momarchien, die nicht mehr zeitgemäss sind und eher an ein Kaspeletheater erinnern, zeigten sein Klassendenken. Apropos Kaspeletheater - da passt ein Harlekin übrigens sehr gut rein.



Zitat:

"Auch wenn Künstler einen Drang zur Perfektion haben, sind sie wie alle anderen Menschen voller Fehler. Durch ihre Kunst gelingt es ihnen nur etwas leichter, sie hinter ihr zu verstecken."


Da hast du recht.




A.M.C. Latzke - 10.06.2005 um 01:21 Uhr

Diese Nachricht wurde von A.M.C. Latzke um 01:36:16 am 10.06.2005 editiert

Zitat:


Was tötet die Kunst? Wieviel Profilneurotik ist vonnöten, wieviel Echtheits- und Selbstverlust durch das Liebäugeln mit kommerziellen Interessen oder dem Rampenlicht? Wie mäßig darf ein Künstler als Handwerker sein, ......?

Hallo Arne,

Meine Antwort auf Deine Fragen wäre folgende:
Jedes Handeln, das vom eigenen Vorteilsdenken geleitet wird, ist dem künstlerischen Schaffensprozess abträglich und schadet somit der Kunst. In diesem Fall wird sie schon tot geboren.
Ein Künstler darf als Handwerker so mäßig sein, wie es die Gesellschaft zulässt. Die handwerkliche Ausführung von Kunst ist unter anderem auch ein Gradmesser für das Qualitätsbewußtsein einer Gesellschaft.




Fidéo - 20.06.2005 um 12:48 Uhr

Diese Nachricht wurde von Fidéo um 12:49:41 am 20.06.2005 editiert

Zitat:

Diese Nachricht wurde von Galerie Seeger um 12:58:47 am 13.03.2005 editiert

Kunst, Ruhm & Posse


Wie viel Ruhm verträgt die Kunst.
Wann wird der Künstler zum Harlekin.
Wann wird die Kunst zur Posse.

Beispiel hin und Beispiel her, eins zu finden ist nicht schwer.
Doch scheltet nicht wer’s nicht versteht, im lieber aus dem Wege geht.

Gruß PS.

die fragen sind pauschal nicht wirklich zu beantworten und scheitern bereits an der definition "kunst-künstler".
dort wo man meint "kunst" geortet zu haben, oder wo sich jemand als "künstler" präsentiert, kann man auch zu der überzeugung gelangen diese/n hervorzuheben. die mechanismen/absichten dabei können vielfältig, durchschaubar/undurchsichtig, nachvollziebar oder auch nicht, sein. ebenso ist es mit dem ausmass.




A.M.C. Latzke - 30.06.2005 um 01:24 Uhr

Zitat:

die fragen sind pauschal nicht wirklich zu beantworten und scheitern bereits an der definition "kunst-künstler".
So kann es zum Thema Kunst keine Antworten geben, ausser auf die Fragen nach Person, Material und Entstehungsjahr. Was uns bleibt sind viele verschiedene persönliche Meinungen, welche allerdings interessanter sind als eine Antwort, da sie zum Nachdenken anregen
A.M.C. Latzke




Vanadis Schäfer - 05.07.2005 um 16:35 Uhr

Ich weiß aus einigen Lebensberichten, daß der Künstler zu seiner Kunst erst dann die adequate Anbindung findet, wenn er die Schul-Perfektion verlässt - die er meist schon im 2. Semester verflucht. Er wird mit soviel Technik zugeschüttet, daß sein Seelengefüge kaum noch auszumachen ist. Denn wann fühlt sich ein Künstler schon perfekt und wann konnte er seine Miete bezahlen und wann wurde er als um Perfektion Bemühter erfolgreich? Zum Schluß ist er so, wie er als Jugendlicher gemalt hat, als er die Ausbildung noch nicht genossen hatte und fühlt sich meist besser und wird auch berühmt. Er kehrt zu seiner Seele zurück.



Vanadis Schäfer - 06.07.2005 um 12:46 Uhr

Zusatz: Wann sah ein Künstler die Linien eines Wesens morgens klar - (Linienauflösung) wann konnte er seine MIete bezahlen (moderne Kleckskunst mit Zertrümmerungseffekt) wann ärgerte er sich nicht über eckige unflexible Leute (durchgestrichener Kubismus) schüttelte nicht den Stil seines Professors ab (das war das Bild, indem er alle Stilrichtungen infrage stellte und jede gängige Technik aus den Angeln hob.) Wann weinte er nicht stundenlang (wässriges Aquarell). Also ist echte Kunst etwas ehrliches - und wehe , wer daran rührt. Picasso vertritt alle Stilrichtungen.



Fidéo - 07.07.2005 um 23:05 Uhr

hallo A.M.C.Latzke
Zitat:

So kann es zum Thema Kunst keine Antworten geben, ausser auf die Fragen nach Person, Material und Entstehungsjahr. Was uns bleibt sind viele verschiedene persönliche Meinungen, welche allerdings interessanter sind als eine Antwort, da sie zum Nachdenken anregen
es gibt jede menge antworten zum thema kunst, sie dürfen auch zum thread passen,- o.k. müssen aber nicht





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