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--- VITA abschaffen ODER?

Galerie Seeger - 07.03.2005 um 08:48 Uhr

VITA abschaffen ODER?

Lang, lang ist es her, ach war das Leben schwer, nun habe Ichs geschafft und schaff s mit Vita-Kraft.

Ist er dann ein guter Künstler.
Was ist er ohne.
Sollte man sie abschaffen.

Muss ein Aussteller, Kunstbetrachter, Kunde, Kunstkritiker,….. die Vita kennen?
Ist es besser, voreingenommen zu sein?
Ist es besser,…..?

Ist es besser, wenn man den Künstler nach seinen Werken beurteilt?


Gruß PS.




Arne - 07.03.2005 um 16:23 Uhr

Hallo Peter,

natürlich macht eine lange aufgeblähte Vita einen Künstler nicht irgendwie "besser", mich macht es sogar eher skeptisch, wenn es jemand so vor sich hertragen muss, was er bereits alles erreicht hat. Oft ist dann diese Liste, die einen irgendwie beeindrucken soll, nur eine Hintereinanderreihung ziemlich belangloser Begebenheiten - eine Ausstellung auf diesem und jenem Dorf usw.

Zitat:

Ist es besser, wenn man den Künstler nach seinen Werken beurteilt?

Es ist halt die Frage, worum es gehen soll: um die Kunst oder den Affenzirkus, den die Menschen darum geschaffen haben? Den meisten gefällt der Affenzirkus wohl besser als die Kunst, das muss auch ich als Schreibender immer wieder erfahren: Viele interessieren sich anscheinend eher für die Person als für die Werke. Daran kann man wohl nichts ändern, aber man muss es auch nicht sonderlich unterstützen.

Arne




Fidéo - 20.06.2005 um 10:30 Uhr

Diese Nachricht wurde von Fidéo um 10:56:04 am 20.06.2005 editiert

Zitat:

VITA abschaffen ODER?.......
eher nicht "abschaffen" (wie würde das gehen?),- leben ist auch information.




Arne - 29.08.2005 um 11:59 Uhr

Zitat:

[...] es mag was Gutes und Rechtes geschehen, als That, als Dichtung, als Musik: sofort sieht der ausgehöhlte Bildungsmensch über das Werk hinweg und fragt nach der Historie des Autors. Hat dieser schon Mehreres geschaffen, sofort muss er sich den bisherigen und den muthmaasslichen weiteren Gang seiner Entwickelung deuten lassen, sofort wird er neben Andere zur Vergleichung gestellt, auf die Wahl seines Stoffes, auf seine Behandlung hin secirt, auseinandergerissen, weislich neu zusammengefügt und im Ganzen vermahnt und zurechtgewiesen. Es mag das Erstaunlichste geschehen, immer ist die Schaar der historisch Neutralen auf dem Platze, bereit den Autor schon aus weiter Ferne zu überschauen. Augenblicklich erschallt das Echo: aber immer als "Kritik", während kurz vorher der Kritiker von der Möglichkeit des Geschehenden sich nichts träumen liess. Nirgends kommt es zu einer Wirkung, sondern immer nur wieder zu einer "Kritik"; und die Kritik selbst macht wieder keine Wirkung, sondern erfährt nur wieder Kritik. Dabei ist man übereingekommen, viel Kritiken als Wirkung, wenige als Misserfolg zu betrachten. Im Grunde aber bleibt, selbst bei sothaner "Wirkung", alles beim Alten: man schwätzt zwar eine Zeit lang etwas Neues, dann aber wieder etwas Neues und thut inzwischen das, was man immer gethan hat. Die historische Bildung unserer Kritiker erlaubt gar nicht mehr, dass es zu einer Wirkung im eigentlichen Verstande, nämlich zu einer Wirkung auf Leben und Handeln komme: auf die schwärzeste Schrift drücken sie sogleich ihr Löschpapier, auf die anmuthigste Zeichnung schmieren sie ihre dicken Pinselstriche, die als Correcturen angesehn werden sollen: da war´s wieder einmal vorbei.

Aus: F. Nietzsche - Unzeitgemäße Betrachtungen




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