Zitat:
ich denke, dass gerade auch die fotografie in einer zeit der
schnellebigkeit uns die möglichkeit gestattet, genauer
hinzusehen, auf kleine details und augenblicke aufmerksam zu
machen !
Ja, aber wir schauen dabei ja nicht auf die Wirklichkeit,
sondern nur eine Verzerrung von ihr. Und das ist hier wohl
die allgemeine Tendenz, die Bernhard anprangern möchte (wenn
man jetzt einmal unterschlägt, dass das Zitat ja nur von
einer Figur aus seinem Roman stammt) :
Wir stürzen uns immer tiefer in die Künstlichkeit (ist dafür
nicht ein Forum wie dieses eines der besten Beispiele?),
weil wir ja gar nicht ertragen, das Leben so zu sehen, wie
es ist; wir ergötzen uns lieber an unseren Verfremdungen der
Natur, wir flüchten die Wirklichkeit. Wer hat sie nicht,
seine Illusionen, seine kleinen und großen Lebenslügen, die
sich, bei Licht besehen, in nichts auflösen, aber trotzdem
glauben wir daran, weil wir gelernt haben, dass wir mit
unserem Selbstbetrug auch noch am besten fahren. Das ist die
Absurdität des menschlichen Wesens. Und wer dagegen
aufbegehrt, vielleicht gar als einer der zahllosen moralisch
durchtränkten Heilsverkünder, der hat noch nicht gemerkt,
dass er selbst um nichts besser ist als diese, gegen die er
vorgehen möchte. Wir alle sind Gefangene unserer Existenz -
befreit werden wir erst durch den Tod.