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-- Künstler
--- Der Künstler moralische Verantwortung

Arne - 06.11.2004 um 01:43 Uhr

Wie sieht es eigentlich mit der moralischen Verantwortung eines Künstlers aus, wem ist er verpflichtet? Sind die Werke von z.B. der Regisseurin Leni Riefenstahl und des Bildhauers Arno Breker, welche beide für die nationalsozialistischen Machthaber tätig waren, automatisch weniger wert und zu verachten? Ist ein Gebäude, das den Stempel der Nazis oder auch Stalins etc. trägt, automatisch ein schlechtes, also böses Gebäude?

Konrad Adenauer meinte zu Breker:
"Es war nie glücklich, Kunst, Macht und Politik zu vermischen. Die Künstler können sich aber nicht aussuchen, in welcher Zeit sie leben und in wessen Gunst sie geraten. Und wenn Sie mich speziell auf diesen Herrn ansprechen, dann möchte ich Ihnen sagen, dass mir nichts untadeliges über Breker bekannt ist.

Und im übrigen: Kunst, die zeitlos die Menschen bewegt, hat ihre Wurzeln im Glauben an das Überirdische. Das Werk eines Künstlers zeigt dessen geistig-seelische Herkunft und Mission. Da Breker dem Vollkommenen in seiner künstlerischen Gestaltung die Treue hält, weist er hoffnungsvoll in die Zukunft. Denn: ohne Hoffnung gibt es keine Zukunft für die Menschheit."


Koltes meint:

„Ich glaube, die einzige Moral, die uns bleibt, ist die Moral der Schönheit. Und es bleibt uns eben nur die Schönheit der Sprache, die Schönheit als solche. Ohne die Schönheit würde es sich nicht mehr lohnen zu leben. Also bewahren wir diese Schönheit, auch wenn sie nicht moralisch ist. Aber ich glaube eben, daß Schönheit die einzige Moral ist."




tarantella - 06.11.2004 um 08:30 Uhr

diese Diskussion wurde besonders nach Leni Riefensthal´sTod wieder aktuell. Meine Ansicht ist, dass ein Künstler nicht Augen und Ohren verschliessen kann, besonders dann nicht, wenn er bereits in der Oeffentlichkeit steht, hat er auch Verantwortung. Deshalb sind damals so viele guten Künstler ins Ausland geflüchtet. Ihre Kunst wurde als abartig verboten. Etwas Neues konnte sich überhaupt nicht entwickeln. Und schon allein dieser Gedanke hemmt doch jeden kreativen Menschen.
Und noch etwas - Kunst muss nicht schön sein.




kiluga - 06.11.2004 um 18:35 Uhr

Hallo

ich denke in erster Linie ist es eine Gewissensfage..

Ich stimme taranella zu..dass ein Künstler nicht Augen und Ohren verschliessen kann, besonders dann nicht, wenn er bereits in der Öffentlichkeit steht, hat er auch Verantwortung und eine moralische Verpflichtung.
Ich stimme ihr auch zu, dass Kunst nicht schön sein muss

Ich habe da so meine bedenken wenn ich lese
" In der Reinheit seines werkes spiegelt sich auch die Reinheit von wesen und Geist des Bildhauers."

Kann man sagen ich verschließe meine augen und sehe nur die Kunst, das Schöne die Schönheit?
Kann man sagen ich bin unpolitisch und gleichzeitig als hofbildbauer tätig sein?

Kann man die Augen so verschließen? Ist es nicht ein Selbstbetrug?

Wie kann man sagen, ich bin unpolitisch und sich auf dessen seite stellen in irgendeiner form? Gebäude entwerfen, Kunstwerke erstellen...
Ist es nicht sehr egoistisch, die Augen zuverschließen?

Aber mal auf die Frage zukommen, ob sie deswegen schlechte Künstler waren.Nein waren sie nicht, keine frage, sie waren hervorragende und bedeutende Künstler.

Die Frage ob ein Gebäude böse sein kann?
ich denke es kommt darauf an wofür ein Gebäude steht und wozu man es braucht oder auch missbraucht.Oder auch was dieses Gebäude ausdrücken soll.
Leider hinterlässt ein dann noch so gutes Kunstwerk auch Narben

gruß
Ela





A.M.C. Latzke - 16.11.2004 um 23:40 Uhr

Hallo Arne,
da sprichst Du aber mal wirklich ein heikles Thema an, welches allerdings höchst interessant ist. Finde ich gut.
Meine Meinung ist, daß es für uns, der Nachkriegsgeneration, natürlich einfach ist, aus einem relativ gesättigten und abgesicherten Leben heraus, moralisch zu argumentieren. Aber was wäre gewesen, wenn wir zu dieser Zeit künstlerisch tätig gewesen wären, einer Zeit, in der fast ein ganzes Volk einer Ideologie hinterher läüft, die sich erst nach und nach für die meisten als dämonischste Diktatur, die die Erde je gesehen hat, entpuppt? Hätten wir, wenn unsere Kunst als entartet (eigenartiger Ausdruck übrigens) gegolten hätte, das Exil gewählt oder der Kunst entsagt? Wenn man so wie Breker, die Möglichkeit geboten bekäme, große Aufträge auszuführen, sein Können zu zeigen und dadurch bekannt zu werden, wieviele von uns würden das ablehnen? Ich bin froh, daß ich nicht in Brekers Haut gesteckt habe. Er ist damals als noch unbekannter Künstler von Paris nach Deutschland geholt worden. Zu jener Zeit war das Naziregime für die meisten noch nicht so sehr durchschaubar wie in späteren Jahren. Natürlich hätte Breker sich nach gewisser Zeit davon abwenden können, aber er ist geblieben, hat seinen Einfluß nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich geltend gemacht und sich für französische Künstler, wie z.B. Maillol, eingesetzt und sie vor Verfolgung und Inhaftierung bewahrt.
Das ist auch eine Möglichkeit einen positiven Beitrag zu leisten.
Er war und ist ein bedeutender Bildhauer, auch wenn einige seiner Werke aus der Nazizeit etwas kalt und roboterhaft wirken. Aber war ein Großteil des Volkes es zu jener Zeit auch nicht?
A.M.C. Latzke

PS: Meinungsäußerungen von Adenauer sind sicherlich mit Vorsicht zu genießen. Hat er nicht einmal selbst gesagt, "Was stört mich mein Geschwätz von gestern"?




Arne - 17.11.2004 um 00:02 Uhr

Diese Nachricht wurde von Arne um 12:34:47 am 17.11.2004 editiert

Hallo A.M.C.,

auf das Thema gibt es wirklich keine einfachen Antworten. Ich denke nun schon mehrere Wochen darüber nach, aber letztendlich ist es, wie Du es gesagt hast: Man hat nicht damals leben müssen, man kennt die Zwänge und Zusammenhänge nur vom Hörensagen, aus Büchern, Filmdokumentationen usw., kann also, wenn überhaupt, nur ein von der damaligen Realität losgelöstes "Urteil" sprechen, was einem letztlich doch gar nicht zusteht. Wenn man nicht selbst unter Lebensgefahr steht, kann man viel von Moral erzählen; wie weit es mit der eigenen Moral her ist, sieht man erst, wenn man selbst in Notsituationen gerät, die ja gar nicht erst das damalige Ausmaß erreichen müssen. Allerdings erwartet man wohl von einem Künstler trotz allem, dass er mehr Verantwortung übernimmt als ein Bäcker, der nur seine Brötchen bäckt - und dass er sich nicht wie die Riefenstahl allein auf die Ideale der Schönheit beruft.

Konrad Adenauer habe ich nicht angeführt, weil ich für diesen Menschen sonderlich viel Sympathie hege, sondern weil er möglicherweise für eine damals nach dem Krieg geläufige Haltungsweise steht, also das Schönreden und Verdrängen des totalen Ruins.


Tschau
Arne

--
Nachtrag

Ich habe gestern in dem Satz mit der Riefenstahl das Wort "nicht" vergessen. Soetwas darf eigentlich nicht passieren.




Fluuu - 18.11.2004 um 00:36 Uhr

Hallo,
nun versuche ich mal zu diesem Thema meine Ansichten und Gedanken zu formulieren.
Ich glaube nicht das es entartete Kunst überhaubt gibt, wenn, sind die entartet, die das bewerten.
Andererseits sollte die Kunst der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, dass heißt alle die Dinge aufzeigen, die in der Gesellschaft im argen liegen und dafür hat der Künstler ein besonderes Gespühr. In einer Zeit in der es dramatische politische Ereignisse gibt oder die Mehrheit der Bevölkerung in Armut lebt, gibt es viele Themen und Möglichkeiten der Gesellschaft einen Spiegel vor zu halten. In unserer Zeit ist es mit den brisanten menschlichen Themen so eine Sache, allen geht es gut oder sogar zu gut(materiell) in unserer Gesellschaft und das andere Problem ist, man darf sagen was man will aber niemanden interessiert das. Manchmal beneide ich die Widerstandskämpfer, sie konnten mit viel Mut für eine Sache kämpfen.
Ich habe aus eigenem erleben ein gutes Thema mit dem ich arbeiten kann morbide Psyche in optimistischer Entwicklung da komme ich auch um eine moralische Frage nicht drumrum. Alle Fotos die ich mache, auch für die Ausstellung, entstehen unter diesem Thema. Das ist noch ein wunder Punkt in der Gesellschaft und ein heikles Thema, da habe ich noch viel zu tun.

gruß fluuu




A.M.C. Latzke - 06.05.2005 um 19:49 Uhr

Jeder Mensch, nicht nur der Künstler, hat eine moralische Verantwortung sich selbst und dann der Gesellschaft gegenüber. Dennn niemand, der sich nicht selbst gegenüber moralisch verantwortlich ist, der kann es auch nicht der Gesellschaft gegenüber sein.
Ich habe in einem früheren Statement zu diesem Forum die Frage gestellt, wie wir uns wohl verhalten hätten, wenn wir zu jener Zeit gelebt hätten. Ich weiß es nicht. Ich hoffe, daß ich stark genug gewesen wäre, allen materiellen Verlockungen und der Eitelkeit, die eine öffentliche Anerkennung mit sich bringt, zu widerstehen und meine Kunst nicht in den Dienst des Regimes gestellt hätte. Heute würde ich es nicht tun
Alle, die sich im Dunstkreis der Partei gesonnt haben, mußten von den unmenschlichen Greueltaten gewußt haben. Es gibt keine Entschuldigung dafür, daß man die Augen verschlossen hat. So sehe ich das Erschaffen von Kunstwerken, die vom Naziregime in Auftrag gegeben wurden als einen Akt gegen die Menschlichkeit. Was haben wohl jene Künstler gesehen, wenn sie morgens in den Spiegel geschaut haben??
A.M.C. Latzke




tarantella - 07.05.2005 um 18:52 Uhr

je länger je mehr finde ich, es gibt nur 2 Kategorien
Menschen, die Machtbesessenen und die Schwachen. Sollen, können, dürfen sich da Künstler ausschliessen? Der Künstler ist in erster Linie auch Mensch. Somit kann er nicht perfekt sein. Er strebt nach Perfektion in seiner Kunst, aber auch da macht er immer wieder Fehler. Ich glaube, ein Leben lang müssen wir nachsichtig sein mit uns und auch mit den anderen.




Galerie Seeger - 11.05.2005 um 07:42 Uhr

Diese Nachricht wurde von Galerie Seeger um 07:45:50 am 11.05.2005 editiert

Ich denke, dass ein Künstler nur sich selbst gegenüber Verantwortlich ist.
Sein Tun, sei es auch noch so verwerflich in den Augen der Betrachter, ist nun einmal Kunst- Werk, wie auch immer man es Definieren will.
Mit einer Einschränkung! Solange er keinem andern Lebewesen damit schadet, oder wegen ihm schaden zugefügt wird.

Perfektion, was soll das?
Sicherlich ist das streben nach Perfektion nicht unbedingt etwas schlechtes, aber ich bin der Meinung das eine ausgewogene Mitte dem Kunstwerk mehr Scharm verleit als die 150% Perfektion. Sicherlich ist es nicht ganz unwichtig sich ein wen…ig zu bemühen, aber ist es nicht vielmehr die eingeschränkte Sichtweise die uns zu falschen Urteilen führt.
Wenn ein Kind ein Bild mahlt und die anderen Kinder es bewundern, ist nicht dieses Kind ein Künstler und sei es auch nur für kurze Zeit?
Was ist Zeit? (E=mc²)
Was und wie ist unsere Sichtweise? Sie ändert sich mit jedem Tag!
Wie würde ein Mensch der schon 10.000 Jahre lebt unsere Kunst betrachten?

Gruß PS.




dirkeisner - 28.05.2005 um 21:07 Uhr

Hi, bin kurz mal vorbeigeschnuppert, und sehe diesen ansprechenden thread.
Künstler und Moral, da hatte ich von Nietzsche ein Buch (entweder war´s die Morgenröte oder die fröliche Wissenschaft) gelesen und es brachte mich zu den folgenden Gedanken, die ich auch auf meiner homepage veröffentlicht habe:

Die Hohen des Schöpferischen sind gerechtfertigt nicht durch ihre soziale Nützlichkeit sondern durch ihr besseres Sein. Sie verbessern nicht die Menschheit, sondern verkörpern ihre besseren Möglichkeiten und bringen sie zur Anschauung
(frei nach Nietzsche)

Selbst dachte ich daraufhin:
Es enthebt den Kunstschaffenden der Moralität!
Er dient nicht unmittelbar dazu Armut zu lindern, anderen zu helfen, durch Kunst nicht in erster Linie sozial oder politisch zu wirken. Ein Künstler ist kein Bourgois, kein Kanzler und kein Revolutionsführer.

Er ist die Verkörperung von besseren / anderen Möglichkeiten. Fähigkeiten, Sichtweisen, Auffassungen und Wahrnehmungen. Diese verkörpert er. Nicht sich sondern seine Möglichkeiten sind seine Bedeutung. Diese herauszuarbeiten und freimütig zur Schau zu stellen ist seine Aufgabe.

Ist das wahr?...




A.M.C. Latzke - 28.05.2005 um 21:52 Uhr

Zitat Galerie Seeger

Ich denke, dass ein Künstler nur sich selbst gegenüber Verantwortlich ist.
Sein Tun, sei es auch noch so verwerflich in den Augen der Betrachter, ist nun einmal Kunst- Werk, wie auch immer man es Definieren will.
Mit einer Einschränkung! Solange er keinem andern Lebewesen damit schadet, oder wegen ihm schaden zugefügt wird.

Also ist er doch nicht nur sich selbst gegenüber verantwortlich.

Natürlich sagt man, jeder Erwachsene ist für sich selbst verantwortlich. Das nennt man auch die persönliche Freiheit und gilt meiner Auffassung nach nur für den privaten Bereich. Sobald aber jemand mit seinen Werken an die Öffentlichkeit tritt, übernimmt er eine Teilverantwortung für die moraliche Entwicklung der Gesellschaft. Das ist übrigens eine Angelegenheit, die viele werbende Firmen noch nicht begriffen haben. Gute Beispiele für unmoralische Charakterbildung geben die Werbespots von Twix (ein Pärchen auf dem Tandem) und Renault (ein Junge wird von der Mutter ermutigt, ein noch nicht gekauftes Spielzeug das Treppenhaus herunter zu werfen). Im ersten Fall wird der Egoismus gefördert im zweiten Fall wird die Mißachtung fremden Eigentums als was ganz normales hingestellt, was auch eine Art von Egoismus ist.
Haben diese Firmen nicht auch wie jeder, der sich an die Öffentlichkeit wendet, also auch ein Künstler, eine besondere Verantwortung?

A.M.C. Latzke




Arne - 28.05.2005 um 22:40 Uhr

Das Problem mit der Werbung ist, dass sie sich nur an BWL-Gesichtspunkten orientiert. Um den Verkauf eines Produktes zu steigern, ist jedes Mittel recht.

Die BWL ist heutzutage überall, selbst die meisten zwischenmenschlichen Beziehungen werden schon nach Kosten/Nutzen abgerechnet.

Zitat:

Sobald aber jemand mit seinen Werken an die Öffentlichkeit tritt, übernimmt er eine Teilverantwortung für die moralische Entwicklung der Gesellschaft.

Volle Zustimmung.




Fidéo - 23.06.2005 um 13:57 Uhr

Zitat:

Wie sieht es eigentlich mit der moralischen Verantwortung eines Künstlers aus...]
"künstler" ist ein terminus, dahinter steht ein "mensch" und diese unterliegen generell einer verantwortung für ihr tun. "Mensch" ist jedoch ebenfalls ein terminus der, wie alles andere, nicht gänzlich objektiv erfasst werden kann. schon die fragen "was sind wir?", "woher kommen wir?" etc. sind ja nicht implizit. dass jedes tun folgen hat ist allein ist allein schon mit dem atmen bewiesen (hält man beispielsweise beim ausatmen ein blatt papier vor den mund wird man bemerken dass sich dieses bewegt. das gilt für alle dinge, dazu gehören bekanntlich auch gebäude, dieser erde und ist unläugbar)
für mich gelten daher nicht nur in der "kunst" sondern generell, scheinbar einfache, prinzipien wie "was du nicht willst das man dir tut, das füg´ auch keinem anden zu".
glg




Fidéo - 01.07.2005 um 16:26 Uhr

anhang:

… daher ist es z.b. nicht begründbar im namen der „kunst“ tiere zu foltern (z.b.: mit siedendem wachs übergießen, und den qualvollen todeskampf bzw. den anblick des so verendeten tieres, als „kunstwerk“ zu bezeichnen, u.v.a .m.) auch die begründung auf vorgänge hinzuweisen, bzw. die allgemeinheit auf etwas aufmerksam machen zu wollen, ist hier nichtig. dazu genügt z.b. schon foto/film! erkennbar bleibt lediglich die absicht selbst bekannt zu werden.
gleiches gilt für, zum eigennutz, wiederholte tierversuche.
eine moralische rechtfertigung kann nicht formuliert werden, die moralische verpflichtung hingegen schon und wartet auf widerlegung




Galerie Seeger - 10.07.2005 um 14:16 Uhr

Ich ging die Straße entlang und sah im schein der Laterne eine schöne Frau mit blondem Haar, als plötzlich ein Auto um die Ecke bog und Sie erfasste.
Mir stockte der Atem! Was war geschehen, ist es wirklich was ich gesehen?
Doch ja, ich sehe Sie dort liegen in Ihrem Blut und mich packt eine riesige Wut , ich lief sofort los um Ihr zu Helfen, ich laufe und laufe doch es hat keinen Sinn ich komme zu diesem Ort nicht hin.
Es gibt einen Knall und ich liege im Bett “wau“ dieser Traum war wirklich nicht nett, doch ich könnt Schwören es war real, bin ich am Leben oder ist es egal.

Ein Blatt schwebt vor meinem Auge empor oder macht mir das Auge vielleicht etwas vor?

Hätte Einstein seine Theorie aus der Sicht einer Schnecke berechnet wäre Sie vermutlich etwas anders ausgefallen.

Und wie groß ist der Mensch?

Moralische Verantwortung?
Nein! Solange er keinem andern Lebewesen damit schadet, oder Schaden zugefügt wird.

P.Seeger

http://www.kunstgalerie-seeger.de




el_pintor - 22.07.2005 um 14:43 Uhr

Zitat:

diese Diskussion wurde besonders nach Leni Riefensthal´sTod wieder aktuell. Meine Ansicht ist, dass ein Künstler nicht Augen und Ohren verschliessen kann, besonders dann nicht, wenn er bereits in der Oeffentlichkeit steht, hat er auch Verantwortung. Deshalb sind damals so viele guten Künstler ins Ausland geflüchtet. Ihre Kunst wurde als abartig verboten. Etwas Neues konnte sich überhaupt nicht entwickeln. Und schon allein dieser Gedanke hemmt doch jeden kreativen Menschen.
Und noch etwas - Kunst muss nicht schön sein.

aber ist er denn, weil er seine heimat nicht verlassen will und sich mit den machthabern arangiert gleich ein schlechterer künstler als ein emigrierter kollege? ? ? erst wenn er ideologisch zum mitläufer wird und sich am unrecht beteiligt, wenn er denunziert oder anderes begeht ist er doch zu verurteilen ..bleibt er und wird teil eines systems, in welcher richtung auch immer, so ist das doch nur die logische schlussfolgerung seines inneren dranges seine kunst zu schaffen...haben sich denn die großen der renaissance etwa mitschuldig gemacht an den verbrechen der inquisition? ? ? ? nur weil sie für den klerus tätig waren




A.M.C. Latzke - 24.07.2005 um 12:58 Uhr

Hallo el_pintor,

Das sind gute Fragen, auf die viel zu selten eingegangen wird. Natürlich waren diejenigen, die emigriert sind, nicht automatisch die besseren Künstler, allenfalls die besseren Menschen. Sie haben mit Ihrer Emigration Zeichen gesetzt, wobei man die wirklichen Beweggründe nicht immer kennt.
Welche von den Künstlern sind emigriert, um gegen das Regime zu protestieren , und welche hatten einfach nur persönliche existenzielle Beweggründe? Es ist immer schwierig, im Nachhinein solche Fragen zu erörtern und wir sollten uns selbst fragen, wie wir uns in einer solchen Situation verhalten hätten.
Die Frage nach den Renaissance-Künstlern, und nicht nur nach diesen, ist ebenfalls berechtigt




maler-hans - 02.07.2006 um 00:20 Uhr

So wie die Diskussion im Augenblick läuft, hat sie mit dem Künstler-Sein eigentlich nicht besonders viel zu tun, sondern mehr mit der menschlichen Verantwortung insgesamt.

Setzt man die Überlegungen verstärkt in Richtung Kunst fort, könnte man sagen, ein Künstler handelt verantwortungslos, wenn er sich dem Geschmack – der ja oft auch ideologische verbrämt oder benutzt wird – der Machthaber anpasst, und zwar gegen besseres künstlerisches Wissen: es gibt auch Verrat an der Kunst (sowohl zuhause als auch in der Emigration, übrigens).




Fluuu - 04.07.2006 um 23:58 Uhr

Oh doch, gerade wegen der menschlichen Verantwortung hatte diese Diskussion (sie ist ja schon ein Jahr her) etwas mit dem Künstler zu tun. Nach meiner Aufwassung dient er dem Homanismus, tut er das nicht, kann man ihn verachten und verschmähen. Die Aufgabe ist es, das menschliche Zusammleben auf der Erde zu wiederspiegeln um an der Entwicklung mit zu wirken. Ob das nun in der Emigration oder im Land passiert ist dafür nicht erheblich.
Sich allerdings den Machthabern anbiedern um Privilegien oder andere Annehmlichkeiten zu erhalten, wiederstrebt dem Humanismus und kann somit nicht im Sinne der künstlerischen Arbeit sein.

gruß fluuu




maler-hans - 06.07.2006 um 23:41 Uhr

Brauchst mir da überhaupt nicht zu widersprechen, Fluuu, denn ich habe ja nicht bestritten, dass die menschliche Verantwortung auch auf den Künstler anzuwenden ist – im Gegenteil vertrete ich die Auffassung, dass der Künstler darüber hinaus eine zusätzliche Verantwortung trägt oder zu tragen hat, indem der nämlich nicht nur persönlich integer sein soll, sondern auch sein Werk und dessen Wirkung. Die Verantwortung des Künstlers erstreckt sich somit in gewisser Weise auch noch auf die Betrachter seiner Kunst, für die er eine gewisse Verantwortlichkeit übernimmt, gewissermaßen eine pädagogische, erzieherische (auch wenn dies nicht Zweck der Kunst ist und meiner Meinung nach auch nicht sein soll).



ZoooooZ - 31.08.2019 um 23:08 Uhr

Diese Nachricht wurde von ZoooooZ um 23:16:11 am 31.08.2019 editiert

Mich verärgert das, das ich als Künstler wohl vielleicht auch unter moralischen Gründen eine Position beziehen soll. Mein hartes Wort dazu NEIN - ich beziehe gar keine Position weder Links, noch Rechts oder Mitte. Die einzige Position die ich beziehen könnte ist immer nur die "meine". Das ist erstmal sehr moralfrei, möglicherweise auch egoistisch. Jedoch hindert das nicht zu sagen was gut oder schlecht ist, kurz gesagt Dinge zu bewerten. Die freie Position ist, ob ich etwas bewerte und wie ich etwas bewerte. Dann habe ich das Problem, das bewerten und moral auch in einen Streitmodus führen kann welcher das positive erschaffen von dingen zu hundert Prozent behindert. Bin ich also nun moralfrei wenn ich darum bitte mit bestimmten dingen nicht gestört zu werden damit ich dinge erschaffen kann die Anderen eine Freude bereiten? Manchmal ist es besser ein Kind zum Lachen zu bringen als eine Welt mit Trauer zu überziehen. - Damit bin ich es bleiben die schönen Dinge. Eine Blume kümmert es wenig wie viel Asphalt um sie herum ist, sie wächst einfach, erschafft etwas schönes und sprengt ganz nebenbei die Straße.




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