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-- Fotografie
--- Konzept für eine Fotoarbeit
Fluuu - 28.06.2004 um 15:46 Uhr
Diese Nachricht wurde von fluuu um 15:48:42 am 28.06.2004
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Der Raum “Wohltuende Vergänglichkeit” im Abbruch- und
Künstlerhaus mit Fotoarbeiten in Farbe und Schwarz/Weiß
Die Frage nach Sinn und Ziel des Lebens, die ja oft gerade
in Krisenzeiten besonders dringlich wird, ist für viele ein
wichtiges Thema. Es gilt innerhalb der Gemeinschaft ein
Selbstwertgefühl zu fördern, das sich auf das einmalige und
unverwechselbare Wesen des Einzelnen gründet. Besonders wenn
es um die Verletzungen und Schwächen des Einzelnen geht, ist
ein behutsamer und sensibler Umgang miteinander
unausweichlich. So kann die Vergänglichkeit in Epochen von
Schmerz- und Leiderfahrungen des menschlichen Seins sehr gut
als wohltuend empfunden und als besänftigende Ästhetik
wahrgenommen werden.
Kein visuelles Medium ist geeigneter, die neuerlich
auftauchenden Fragen der sozialen Existenz anschaulicher zu
beleuchten als die Fotografie. Fotografische Bilder halten
zur genauen Betrachtung an und können beständig überprüft
werden. Nur wer seine Vergangenheit kennt, hat Aussicht auf
eine Zukunft. Seltener hatte eine Aussage größere
Berechtigung als in einer sozialen Spannungswelt.
Es sind Fotoarbeiten in Farbe und Schwarz/Weiß ausgestellt.
Auf diesen Fotos, in einer Größe von 20x30 cm, ist der
Abbruch und der Verfall verschiedener Gebäude und
Gegenstände zu erkennen. Einerseits entstanden die
Lichtbilder als großräumige Aufnahmen mit Weitwinkelobjektiv
und andererseits als detaillierte Aufnahmen mit
Teleobjektiv, jedoch immer analog auf einen Negativfilm
gebannt. Diese dargestellte Vielfalt des Zerborstenen
symbolisiert die zerrüttete und belastete Psyche des
betroffenen Menschen. Das Rostige und Eingefallene ist
Ausdruck von verstrichener Zeit und der damit verbundenen
Labilität und Morbidität. Dieser Vorgang kann ein
überschattetes und Schmerz erfahrenes Gemüt bis hin zum
psychisch krankhaften Erlebnis hervorbringen. All dieses ist
in jedem einzelnen Bild wiederzufinden als auch in der
proportional vergrößerten Fotowand insgesamt.
Der andere Aspekt dieser Arbeit ist die Hoffnung, das
Positive, die Ästhetik des Vergänglichen. Als gesehene
Skulpturen könnte man die Abbildungen auf den Fotos
bezeichnen . Darin lässt sich der Charme des Rostes, die
Grazie verbogener Eisendrähte, die kurvige Eleganz des
Bleches, die dezenten Farbtöne des Verwitterten entdecken,
kurz gesagt die Schönheit des nicht normal Intakten.
Das lässt sich wieder auf die Psyche des betroffenen
Menschen übertragen; die positive Entwicklung hin zum Leben
und die Stabilisierung im Anerkennen der Narben. Auch in
einem anders gearteten Mitmenschen lässt sich diese
Schönheit wahrnehmen.
Das Thema der Fotowand wird durch den Titel: “Morbide Psyche
in optimistischer Entwicklung” zusammengefasst und
beinhaltet den Titel des Raumes im Abbruchhaus “Wohltuende
Vergänglichkeit“.
Die Fotowand aus 64 Einzelbildern, die nicht gerahmt sind,
sondern in einer
Folientasche stecken und sich somit überlappen können,
ergeben das geschlossene Bild eines Riesenfotos von 2,40 x
1,60 m. Es hat den gleichen Maßstab von 2:3 wie das
Einzelbild.
Das fotografische Gesamtbild beinhaltet die Tragweite der
menschlichen Psyche und ihrer Tiefen auf der einen Seite und
die Entwicklung zur lebensbejahenden Ästhetik des
Geborstenen auf der anderen Seite.
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